Liebe Freunde des Fahrsports,
auf dieser Seite wird unser Fahrexperte Horst-Günter Ehbauer Tipps und Hilfestellung rund um den Fahrsport geben. Horst-Günter Ehbauer gibt in erster Linie Lehrgänge für Nachwuchsfahrer Freizeit und Tuniersport. Fahrlehrgänge werden von ihm - für das Fahrabzeichen Kl. IV grundsätzlich nur in 14-Tage-Kursen angeboten. Dieses Abzeichen bildet die Grundlage des Fahrens und ist vor allem eine Praxisgrundlage, um die erforderliche Sicherheit zur Führung eines Gespann zu erlernen sowie für eine weitergehende Ausbildung zum Fahrabzeichen Kl. III und II.
Die Entwicklung der "Fuhrwerke" und der herrschaftlichen Kutschen - von der Frühzeit bis in die Gegenwart - Teil 1
In der Frühzeit wurden alle Lasten vom Menschen getragen. Nachfolgend beförderte der Mensch die Lasten mittels eines Jochs, das er über die Schultern trug.
Ein großer Fortschritt war die Erfindung der Trage. Sie wurde an den beiden Seiten des Pferdes befestigt. Die Vorläufer von wagenähnlichen Konstruktionen wurden vor beinahme 5000 Jahren in Mesapotamien, das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris gebaut. Der Zweck war jedoch immer die effektivere Fortbewegung. Die Existenz dieser Wagen-Vorläufer verdanken wir den Funden in Grabstätten.
Dort fand man kleine Tonmodelle. Sie dürften etwa auf 3000 bis 4000 vor Chr. datiert werden. Damals war für diese Gegend bereits eine hohe Bevölkerungsdichte gegeben. Die Siedlungen waren weit voneinander entfernt. Wo Menschen in so großen Entfernungen lebten, war die Notwendigkeit von Transportmitteln gegeben. Zum Beispiel für den Transport von Nahrungsmitteln und dem Handel im allgemeinen, waren die Anregungen für entsprechende Erfindungen. Schriftzeichen, datiert 3000 bis 2500 v. Chr. sind Zeugen eines frühen Wagenbaus. Ein Wagen aus Uruk am Unterlauf des Euphrat zeigt auf einem Rollsiegel bereits zwei- und vierrädige Wagen mit Scheibenrädern aus Holz. Die Räder sind hier bereits mit Nägeln haltbarer gemacht worden. Zeichnungen von Schlitten wurden ebenfalls gefunden. Auf den Darstellungen der Scheibenräder sieht man deutlich eine runde Öffnung in der Mitte.
Eine etwa 250 Jahre jüngere einzigartige Darstellung zeigt einen zweirädigen Wagen, vermutlich mit 4 Eseln bespannt. Die Tiere sind parallel gezeigt, die beiden mittleren sind mit einem Joch gekoppelt. Sie tragen Geschirrvorrichtungen, die einen "Zügel" zeigen, welchen der Kutscher in der linken Hand hält. "Kante diese Leinenführung vielleicht auch Benno v. Achenbach?" Die Räder sind durch einen Metallplattenrand äußerst massiv. Der Kutscher hatte nur eine sehr kleine Sitzgelegenheit.
Es wird angenommen, dass dieser Wagen als Kurierwagen zur schnellen Übermittlung von Nachrichten einsetzt worden ist. Der Name es Volkes im Zweistromland ist bekannt - die Sumerer. Sie waren augenscheinlich ein reiches Volk, das Waren im Überfluss produzierte und durch den dann notwendigen Handel Transportmöglichkeiten suchen mußte.Unsere relativ präzise Vorstellungen der frühen Wagen verdanken wir nicht allein bildlicher Darstellungen. Es wurden auch Wagenreste gefunden. Dies vornehmlich in den Königsgräben von "Misch", ca. 2600 v. Chr. Es wurde eine Rekonstruktion der Wagen versucht. Man kam zu dem Ergebnis, dass die Räder einen Durchmesser von etwa 0,50 Metern haben mußten. Sie waren aus Brettern zusammen gesetzt. Diese Bretter wurden mit Querleisten zusammengehalten und mit Holznägeln befestigt.Aus weiteren Funden hat man fesgestellt, dass die Wagenkästen direkt auf den Achsen befestigt wurden. Das bedingte vorwiegend einen Geradeauslauf. Kurven waren damit eher schlecht zu fahren. Daher ist anzunehmen, dass zweirädige Wagen lieber als Kampfwagen eingesetzt wurden.
Die Wagen, mit möglicherweise kultische Darstellungen, sind sehr wenig. Eine solche wurde in Elam am Persischen Golf gefunden. Es ist ein Gefährt, mit einem sehr hohen Fahrsitz. Die Deichsel ist mit einem Tier - vermutlich Ochse - bespannt. Sie ist sehr lang und eigentümlich gebogen. Vermutlich sollte dadurch das sicher schwerfällige Gefährt wendiger werden. Hinter der Wagendarstellung ist eine Gestalt zu sehen, die den Wagenlenker anscheinend mit segnender Hand berührt. Daher die Annahme, dass es sich um einen kultischen Wagen handelt. Noch ein Beispiel eines Kultfahrzeuges stammt aus dem Sin-Tempel in Chafadschi. Es ist ein Tonmodell eines Räucherwagens auf vier Rädern. In der Mitte des Wagens ist ein schornsteinähnliches Gebilde zu sehen. Am Fuße sind zwei kleine, fassförmige nach oben offene Gebilde, vermutlich Gefäße, abgebildet. Wahrscheinlich wurden diese mit einer Räucheressenz gefüllt. Der Rauch wurde dann durch den Schornstein abgeleitet. Die seinerzeitigen Wagentypen haben alle einige Konstruktionsmerkmale gemeinsam. Alle Wagenteile waren starr miteinander verbunden. Der Wagenboden ist immer sehr tief angesetzt. Die Spurbreite der Wagen scheint sehr groß gewesen zu sein. Diese beiden Merkmale trugen auf jeden Fall zu größtmöglicher Seitenstabilität und damit zur Sicherheit des Wagens und des gesamten Gespannes bei. Dies vor allem in der Vierradausführung. Sie dienten sicher auch dem Transport von Personen. Ein Personenverkehr war mit den zweirädigen Wagen vermutlich nicht möglich. Der Einsatz dürfte für Kultzwecke, Kampf, Jagd und Transporte vorgesehen gewesen sein.
Bei den Ausgrabungen wurden aber schon Abbildungen gefunden, die einen Wagen mit hohem Bock und einer sehr hohen Brustlehne zeigen. Es sind wohl die Vorläufer der römischen Kampfwagen. Die Achsen waren bis ca. 2500 immer aus Holz gefertigt. Das dafür notwendige Holz mußte fest und elastisch sein. Die Wege erforderten dies. Die Wagenbauer waren aus all diesen Gründen bei den Sumerern hoch angesehene spezialisierte Leute. So wurden auch die einzelnen Gewerke für den Bau der Wagen aufgeteilt. - Fortsetzung folgt -
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