

Ranch-Reiten ist eine Lebenseinstellung
von Petra Herrmann
Wenn wir „Ranch-Reiten“ hören, denken wir zunächst einmal an Rinderherden, Cowboys und Westernsättel. Doch diese Assoziationen werden dieser Reitweise nicht gerecht. „Ranch-Reiten“ ist weitaus mehr. „Ranch-Reiten ist eigentlich eine Philosophie, Ranchreiter sind Freidenker auf dem Pferd“, definiert Peter Pfister den Begriff. Peter Pfister ist seit 2000 hauptberuflich Ausbilder für Pferde und Reiter und bietet regelmäßig Ranch-Reit-Kurse in ganz Deutschland an.
Peter Pfister hat sich auf die Suche nach der Geschichte der Ranch-Reiter gemacht: Die Rancher im19. Jahrhundert besaßen genügend Zeit und auch Geld, um sich über die Art und Weise mit ihren Pferden umzugehen, Gedanken zu machen. Im Gegensatz zu ihren Mitarbeitern, den Cowboys, die Pferde zumeist als Arbeitsgerät betrachteten, das ausschließlich gut zu funktionieren hatte, sahen die Rancher ihre Rösser als wertvollen Besitz und Partner an. Von daher legten sie Wert auf einen feinen Reitstil und beschäftigten sich intensiv mit den
Lehren der alten europäischen Meister wie Pluvinel, Francois Baucher, James Fillis, aber auch mit den Ausbildungsmethoden der amerikanischen Kavallerie, die unter anderem auf den Lehren Caprillis basieren. Dabei waren die Rancher alles andere als dogmatisch. Sie probierten aus, kombinierten verschiedene Reitstile und ritten ihre Pferde nicht nur dressurmäßig, sondern auch im Gelände und im Springparcours. Die Ranch-Reitweise der Jahrhundertwende ist eine Impulsreiterweise, sie vereint Grundlagen der klassischen und altiberischen Reittraditionen, die zurückreichen bis zum Griechen Xenophon (geboren 426 vor Christus) mit Elementen der Gebrauchsreiterei der Cowboys. Oberstes Ziel der Rancher war stets eine harmonische Partnerschaft zwischen Reiter und Pferd.
An diesem Ziel hat sich bis heute nichts geändert. Ein harmonisches Miteinander von Pferd und Mensch ist aber ohne intensive gründliche Ausbildung nicht zu erlangen. Harmonie ist auch stets oberstes Ziel der Kurse von Peter Pfister, egal ob es sich um einen Bodenarbeitskurs, Zirkuslektionen oder um Ranch-Reiten handelt. „Ich bin ein Paartherapeut“, schmunzelt der Horseman. Peter Pfister hat in seiner Reitlaufbahn bereits auf verschiedensten Sätteln gesessen. In Dressursätteln auf den Warmbluthengsten des Landgestüts in Dillenburg, im Wanderreitsattel auf langen Ritten, im Westernsattel und spanischen Sattel. Er selbst orientiert sich an der französischen Reiterei, der Schule der Leichtheit.
Hier wurde er vor allem von Reitmeister Philippe Karl
geprägt. Doch Peter Pfister ist ein Freidenker, er mag sich nicht einengen und in Schubladen packen lassen. „Wer in Schablonen denkt und handelt, hat am Ende nur einen starren Geist“, ist seine Auffassung. Bei aller Offenheit und Toleranz hält er konsequent an seinem Ziel „Harmonie zwischen Pferd und Mensch“ fest, sein Thema heißt Partnerschaft. Eine Partnerschaft kann ohne Regeln und Grundsätze nicht funktionieren. Diese beruhen für den „Paartherapeuten“ auf vier Säulen: Autorität, Vertrauen, System und Konsequenz. Hinzu kommen für Peter Pfister stets drei ethische Grundsätze: Demut, Respekt und Achtung vor dem Pferd und Achtung vor dem Schöpfer. „Mit Demut meine ich den Mut, sich selbst und sein Tun zu hinterfragen und den Fehler bei sich zu suchen, wenn etwas nicht funktioniert“, erläutert er.
Peter Pfister ist fest verwurzelt im christlichen Glauben, der für ihn mit hinein in seine Arbeit mit den Pferden gehört. „Das Pferd ist ein Mitgeschöpf auf dieser wunderbaren Erde, das wir nicht nach unserem Gutdünken ausbeuten dürfen, sondern für das wir Verantwortung zu übernehmen haben“, so Peter Pfister. Seine Pferde leben artgerecht in einem gepflegten Offenstall. Den Bedürfnissen der Tiere gerecht werden und ihre Würde zu wahren, das ist eine Konsequenz aus Peter Pfisters Glauben. Auch seinen Mitmenschen begegnet Peter Pfister stets mit respektvoller Wertschätzung. „Das Besondere an Peters Kursen ist, dass niemand sich bei ihm klein und dumm vorkommt, egal mit welchen Schwierigkeiten man zu ihm kommt. Er hört immer voller Aufmerksamkeit zu und hilft weiter! Dabei kommt der Spaß nie zu kurz“, urteilen viele seiner Kursteilnehmer.
In seinen Ranch-Reit-Kursen gibt es keine vorgeschriebene Kleiderordnung, keine Beschränkung auf bestimmte Pferderassen, Lektionen oder Sättel. Was dem Reiter gefällt und dem Pferd nicht schadet, darf benutzt werden. Fest steht nur das Ziel: Harmonie! Dazu braucht es klare Kommunikation zwischen Pferd und Mensch; und das nicht nur unter dem Sattel, sondern auch im Umgang. Auch hier gilt: Hinter allem was so leicht und harmonisch aussieht, steckt meist eine Menge Engagement und Arbeit.
„Ranch-Reiten beginnt nicht erst im Sattel“, betont der sechsundfünfzigjährige aus Eschenburg in Hessen immer wieder. Um mit einem Pferd partnerschaftlich kommunizieren zu können, muss der Mensch die Sprache der Pferde lernen. „Denn Pferde tun sich mit Fremdsprachen so schwer. Das muss der Mensch lernen“, schmunzelt der Ausbilder. Intensive Bodenarbeit und Horsemanship bilden stets den Anfang. Auf dem Stundenplan der Basisausbildung stehen richtiges Führen, Stillstehen, Weichen mit der Vor- und Hinterhand, Sich Biegen lassen, Verladen und Anti-Scheu-Training. „Ich hätte nie gedacht, wie wichtig es ist, an welcher Position ich mein Pferd führe“, bekennt Marie Hollmann. Ihr Haflinger Max war ein echter Rüpel, der seinen Menschen dort hin zog, wohin er wollte. Nach der „Paartherapie“ mit Peter Pfister, weiß der Wallach, wo sein Platz ist und seine Besitzerin weiß, wie sie ihm diesen deutlich zu weisen kann. „Ich muss mich konsequent daran erinnern, dass Max stets beim Führen hinter mir bleiben muss und er immer einen respektvollen Abstand zu mir einzuhalten hat. Sonst übernimmt er wieder die Rolle des Chefs. Und der bin ja ich“, ruft sich Marie ihr Erlerntes immer wieder ins Bewusstsein.
Bereits am Boden „installiert“ Peter Pfister reiterliche Hilfen. So regt er beispielsweise durch gezielte Fingerimpulse im Maul das Pferd zum Abkauen an. „Hat das Pferd bereits in der Bodenarbeit gelernt, wie es auf einen Druckimpuls auf Nase, Genick, Maul oder kurz hinter dem Gurt reagieren soll, dann tut es sich beim Reiten leichter“, weiß der Ausbilder aus Erfahrung. „Das Pferd fühlt sich dann nicht überfallen und überfordert.“ Welsh-Cob Wallach Twain ist mit seiner Besitzerin Sonja Schnietz regelmäßig bei Peter Pfister zu Gast. Sonja Schnietz ist sich sicher: „Durch die Druckpunktarbeit habe ich beim Reiten von Twain eine große Hilfe erfahren. Twain ist sehr sensibel und verspannt sich schnell. Aber durch die Druckpunktanwendung im Nacken beispielsweise kann ich ihn in eine Entspannungshaltung bringen. Das ist uns eine große Hilfe.“
Auch die Maularbeit hat den beiden bei der Gewöhnung an die Trense sehr geholfen. Twain kaute von Anfang an, sobald er den bekannten Impuls dazu erhielt und entspannte. So lernen die Pferde bei Peter Pfister auch zunächst einmal vom Boden aus, sich im Hals zu biegen, um die notwendige Muskulatur zu dehnen und zu kräftigen. Erst wenn diese Grundlagen geschaffen sind, kann das Pferd sich auch unter dem Reiter biegen. Ohne diese Vorbereitung sind Pferde oft überfordert. „Die Geschmeidigkeit im Hals ist der Schlüssel zu einem durchlässigen Pferd“, betont Peter Pfister.
Im Sattel kommt es dem Ausbilder auf feinste, fast unmerkliche Hilfengebung an. „Ranch-Reiten soll harmonisch sein“, fordert Peter Pfister. „Dazu brauche ich weder eine bestimmte Pferderasse, noch einen speziellen Sattel oder ein bestimmtes Gebiss. Ich brauche auch nicht unbedingt einen Westernhut, Lederstiefel oder ein Dressurjacket. Ich brauche aber unbedingt Geschmeidigkeit, Körperbeherrschung, einen guten Sitz und das Gefühl für die richtige Zügelführung.“ So sitzen bei seinen Kursen Teilnehmer im Western-, Dressur oder iberischen Sattel auf Haflingern, Spaniern, Warmblütern oder Paints. Sie reiten Dressur, springen über Hindernisse oder meistern einen Trail. Es ist auch nicht unbedingt ein einheitlicher Reitstil erkennbar. Es zeigt sich vielmehr ein buntes Bild. „Ranch-Reiten ist kein Einheitsbrei“, beschreibt Peter Pfister noch einmal die dahinter stehende Philosophie. „Ich verfahre nach dem Bibelspruch: Prüfet alles. Das Beste aber behaltet.“ Und das empfehle ich auch meinen Schülern.“
Ranch-Reiter sind Freidenker – so auch Peter Pfister. Bei ihm bleibt es aber nicht beim Denken. Er nimmt sich die Freiheit, seine Gedanken auch in die Tat umzusetzen – und seien sie auch ein wenig verrückt. Peter Pfisters Leidenschaft sind Zirkuslektionen und Trickreiten. Er bezeichnet sie als das „Sahnehäubchen des Ranch-Reitens“. Auch hierbei steht für ihn das harmonische Zusammenspiel mit seinen Tieren im Vordergrund. So reichen minimale Hilfengebungen und Körperzeichen aus, und Welsh-Cob-Wallach Klötzchen und Andalusier Michel legen sich auf dem Reitplatz nieder. Sie bleiben auch völlig ruhig und gelassen liegen, wenn ihr Besitzer sie unter einer blauen Plane verschwinden lässt und er selbst sich dazu legt. Freude haben Klötzchen und Michel auch, wenn es im flotten Galopp um den Reitplatz geht, während ihr Reiter seitlich am Sattel hängt, auf und ab springt oder einen Handstand macht. „Bloß nicht in Schubladen packen lassen“, lacht der gelernte Kaufmann und Krankenpfleger. „Darin ist es zu eng und dafür ist das Leben zu schade. Nur Mut – und einfach mal was Neues ausprobieren!“
Gemeinsam ist allen Ranch-Reitern, die Achtung der Würde ihres Pferdes und die Freude am Umgang mit ihm. Bei ihnen steht nicht die Jagd nach Schleifen und Pokalen im Vordergrund, sondern das Voranschreiten in der Ausbildung des eigenen Könnens und das des Pferdes. Dabei geht es nicht um das schnelle Erzielen von Ergebnissen oder Showeffekten, sondern um eine grundlegende, schonend aufeinander aufbauende Ausbildung, die weder Mensch noch Tier überfordert. „Wir möchten Freude mit- und aneinander haben. Harmonie ist ja kein Selbstzweck. Es ist einfach unbeschreiblich schön, wenn man sich versteht und vertraut“, fasst eine Kursteilnehmerin ihre Motivation zum Ranch-Reiten zusammen. Ranchreiten ist Passion, ist eine Lebenseinstellung.
Die Grundsätze der Ranchreiter lassen sich in 7 Punkten zusammenfassen:
- reiterliche Ausrichtung nach den Werten der alten europäischen Meister
- langsamer Aufbau und Konsequenz in der Ausbildung
- naturorientierter Umgang mit dem Pferd
- Offenheit für andere Reitkulturen und Übernahme von als sinnvoll und brauchbar
erkannten Techniken und Gebrauchsgegenständen
- Hoher Anspruch an sich selbst und Ethik im Umgang mit dem Pferd
- Ständiges Streben nach Verbesserung, um die Qualität im Umgang mit dem Pferd
zu steigern
- Reiten als Passion und Lebenseinstellung
Literaturhinweis:
Peter Pfister:
1. Ranch-Reiten. Eine alte Reitweise – neu entdeckt. Verlag: Müller Rüschlikon; 2. Auflage 2002; ISBN: 3-275-01404-8; 158 Seiten
2. Tipps und Tricks von Peter Pfister – Problemloser Umgang mit Pferden. Verlag: Müller Rüschlikon; ISBN 978-3-275-01615-0
3. Tipps und Tricks von Peter Pfister – Problemlose Bodenarbeit. Verlag: Müller Rüschlikon; ISBN 978-3-275-01638-9
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Peter Pfister
Stall Wendlandt
33184 Altenbeken
Nähe Paderborn
Ingrid Wendlandt
Tel. 05255/7097
Ingrid.Wendlandt@online.de
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12.02 - 13.02.2011
Trailreitkurs
Peter Pfister
Kinderförderzentrum therapeutisches
Reiten - VzF Taunus e.V.
60437 Frankfurt-Kalbach
Marion Lettau
Tel.0176/52084642
marionlettau@yahoo.de
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26.02 - 27.02.2011
Horsemanship I
Peter Pfister
Johannishof
66839 Schmelz
Saarland
Gitta Götzinger
Tel. 0177/2491149
gittagoetzinger@hotmail.com
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05.03 - 06.03.2011
Kombikurs alternativ Zirkuslektionen
oder Trickreiten
Peter Pfister
Meggi's Farm
35713 Eschenburg/Eibelshausen
www.peterpfister-schade.de
Fam. Pfister & Schade
Tel. 02774/6118
info@peterpfister-schade.de
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12.03 - 20.03.2011
tägliche Showvorführungen
mit Peter und seinen Pferden
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26.03 - 27.03.2011
Zirkuslektionen
Peter Pfister
Trail Rider Saddle Shop
72186 Empfingen
www.trailrider.de
Elke Steeb
Tel.07485/9760800
trailrider@web.de
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28.03 - 29.03.2011
Horsemanship I
Peter Pfister
Pferdehof Tiefental
8252 Schlatt - Schweiz
Nähe Schaffhausen
www.pferdehof-tiefental.ch
Bettina Möckli
Tel. 052/6573763 oder 076/4284640
pferdehof.tiefental@sunrise.ch
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30.03 - 01.04.2011
Der Weg zum feinen Reiten
- vom Boden in den Sattel
- Schwerpunkt Trail
Peter Pfister
Pferdehof Tiefental
8252 Schlatt CH
www.pferdehof-tiefental.ch
Bettina Möckli
Tel. 052/6573763 oder 076/4284640
pferdehof.tiefental@sunrise.ch
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02.04 - 03.04.2011
Horsemanship II
Peter Pfister
Reitverein Lörrach
79539 Lörrach
Nähe Basel
www.reitverein-loerrach.de
Cornelia Plettenberg
Tel.07621/86795
ecplettenberg@t-online.de
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11.04 - 15.04.2011
Pferd total
Peter Pfister
Meggi's Farm
35713 Eschenburg/Eibelshausen
www.peterpfister-schade.de
Fam. Pfister & Schade
Tel. 02774/6118
