Risse und Kapselbrüche am Huf - Woher kommen sie, was machen sie und wie werden sie behandelt?

Das Fernwanderwild Pferd hat sich im Laufe von vielen Millionen Jahren an diverse Lebensräume angepasst. Dabei gab und gibt es viele verschiedene genetische Strömungen.So haben sich beispielsweise Kaltblut- und viele Warmblutrassen angepasst, vorwiegend auf eher weichem und feuchtem Terrain zu leben. Die Hufe dieser Pferde sind in der Regel breiter und weicher,  um nicht so tief einzusinken und funktionieren auch bei weniger Gegendruck vom weichen Boden. Nennen wir diese Pferde weichhufige Pferde.Im Vergleich hierzu werden Lusitanos, Araber (auch Trakehner), Criollos, Paso Peruanos, Esel, Zebras sowie Westernpferderassen zu dem Typ Equide gezählt, der sich während der Evolution auf harte und härteste Steppenbedingungen angepasst hat, also nennen wir diese harthufige Pferde.großer Kapselbruch (Zehenmittelriss)Betrachten wir nun diese Spezialisierungen, können wir leicht verstehen, dass sich die Hufe der weichhufigen Pferde nicht genügend abnutzen können, da der Boden nicht abrasiv ist. Nun hat das weiche Horn die Eigenschaft physiologisch ausbrechen zu können, bevor sich der zu lang gewordene Huf deformiert. Das ist normal und es bricht unter diesen Umständen immer nur das weg, was zu viel ist. Die Bruchstelle sieht aus menschlicher Betrachtungsweise nicht hübsch aus, ist aber für den Gesunderhalt der Hufe immens wichtig. Ein so ausgebrochener Huf hat im weichen Boden einen guten Grip.Gemeint sind hier Pferde, die nicht ausschließlich auf weichen Wiesen leben, sondern vorwiegend. Diese hätten ansonsten große Probleme auf hartem Boden zu laufen. So wie auch die Camarque-Pferde nicht immer nur im Wasser stehen, so gibt es immer überwiegende Umstände.   Anders verhält es sich bei den harthufigen Rassen. Sie kürzen ihr Hornwachstum vorwiegend durch Abnutzung. Geröll, Steine und Sand raspeln den funktionierenden Huf eines harthufigen Pferdes permanent, weil diese Equiden erhebliche Distanzen zurücklegen müssen, um sich ausgewogen ernähren zu können. So wird der natürliche Huf, niemals zu lang oder zu hoch. Wohl bemerkt – das geht alles nur in vollkommener Natur, wofür die Pferde gemacht sind. Operative AnpassungsmöglichkeitNeben der langfristigen rassespezifischen Anpassung gibt es auch eine operative Anpassung des Hufes an die aktuell überwiegenden Lebensbedingungen. zeigt den Bruch nach der ersten Behandlung bzw. nach Entfernung der SpannungenDas heißt z. B., dass es für ein Kaltblutpferd durchaus möglich ist, sich an ein Leben auf vorwiegend hartem und steinigem Boden anzupassen. Durch stärkeren Aufprall und die Erschütterung des Hufes wird über die Nerven das hornproduzierende Gewebe stimuliert und die Hornproduktion erhöht sich. Das Horn schiebt sich seitlich steiler am untersten Knochen - dem Hufbein - herunter, der Huf wird somit härter. Gleichzeitig ist der Huf nun etwas enger und in seiner strukturellen Konsistenz widerstandsfähiger gegen Abrieb. Weichhufige Pferde passen sich also an nahezu alle Böden an, wenn die Reize stimmen. Wie ist das bei den harthufigen Pferden? Diese sind nicht in der Lage, das Horn weicher zu machen. Weicher Boden bietet nicht genug Widerstand bzw. Spreizdruck und der Huf nutzt sich nicht mehr physiologisch ab. Die harte Hornkapsel kann auch nicht mehr ausbrechen. Die Hufe deformieren sich und ziehen sich meist zusammen. Es entstehen alle Arten von Zwanghufen, wozu insbesondere auch die untergeschobenen Trachten zählen. zeigt den Huf nach ein paar Monaten des Nachwachsens von oben nach unten.Wir können also die Regel aufstellen: „Weichhufige Pferde können sich an weiches und an hartes Terrain anpassen. Die Hufe harthufiger Rassen benötigen vorwiegend harten Boden und werden bei Aufenthalt auf ausschließlich weichem Boden deformiert, verlieren dadurch schnell ihre Funktion und können über die Jahre ernsthaft krank werden. 

Christoph Gehrmann – www.hufklinik-eifel.de und www.equine-institut.com, das Ausbildungsinstitut für Profis am Huf.

Ausbildung zum Hufheilpraktiker