Chris Gehrmann - Warum stolpert mein Pferd?

Häufig hört man Pferdebesitzer nach dem Ausritt sagen: „ Oh, mein Pferd ist wieder ständig gestolpert“.

Was ist die Ursache für dieses Phänomen, muss der Huf geschützt werden?

Man glaubt in der Regel, dass das stolpernde Pferd grundsätzlich nicht in der Lage ist, barhufig über harten oder steinigen Boden zu laufen.

Das Pferd ist jedoch mit Allem ausgestattet, was es braucht um auch über steinigen Boden problemlos zu laufen. Damit es das allerdings kann, müssen Voraussetzungen geschaffen werden.

Wir bezeichnen den Huf als gesund, wenn Abrieb und Wachstum im Einklang bzw. im Gleichgewicht zueinander stehen.

Gegen ist dieses Gleichgewicht, wenn das gesunde Pferd täglich Distanzen auf unterschiedlichsten Böden von ca. 20 bis 40 km zurücklegt. Diese Strecke ist für ein in Wildnis lebendes Pferd nicht nur erträglich sondern notwendig um innerhalb von 24 Stunden alle Varianten von Nahrung und Wasser zu finden und damit auf dem Weg für den nötigen Abrieb zu sorgen.Im Gleichgewicht muss sich auch der Abrieb zwischen den tragenden Bereichen des vorderen Hufes und des hinteren Hufes befinden. Es handelt sich deshalb bei den wenigsten Pferden um ein generelles Unvermögen, wenn das Pferd, obwohl es oft nur alle paar Tage für 1-2 Stunden ausgeritten wird immer wieder stolpert.Dieses Hufgleichgewicht der Abnutzung wird z.B. durch zu hohe Trachten verursacht. Ein Huf mit zu hohen Trachten lässt uns annehmen, das Pferd sei hierdurch gut geschützt. Dem ist jedoch nicht so. Bei zu hohen Trachten, findet die Belastung des Sohlenhorns und damit der Abrieb fast ausschließlich vor der Strahlspitze statt. Gleichzeitig werden mehrere für die Produktion von Sohlenhorn verantwortliche Bereiche weniger durchblutet als normal. Die Zehenlänge wird automatisch zu kurz und steiler als 45°.

Hierdurch nutzt sich der Huf im vorderen mehr als im hinteren Bereich ab. Dort findet zu wenig Abrieb statt und der Huf kann nicht mehr den notwendigen Spreizdruck aufbringen, um den Huf zu durchbluten und zu spreizen.

Besteht dieses Ungleichgewicht über längere Zeit wird hierdurch das Sohlenhorn im vorderen Bereich zu dünn und veranlasst das Pferd zum stolpern.

Die notwendige Sohlendicke eines Pferdes ist sehr unterschiedlich. Der Bereich der Sohle vor der Strahlspitze ist 1-2 cm dick, um ausreichend Schutz zu bewirken. Vom Strahl in Richtung Trachten jedoch wird die Sohle bei einem gesunden Pferd dünner, bis ca. 2mm erreicht sind.

Das Pferd wird durch diese unterschiedliche Sohlendicke in die Lage versetzt den Huf elastisch zu bewegen. Wird eine funktionierende Hufform hergestellt, kann die korrekte Huffunktion stattfinden. Wachstum von Sohlenhorn findet dann wieder vermehrt statt und der Abrieb ist auf der Länge des Hufes verteilt.

Das Stolpern ist also eine spontane Aktion des Pferdes, um auf den vom Untergrund vermittelten Schmerz bei zu dünner Zehensohle mit einem stark verkürzten Auftreten zu reagieren. Um diese Reaktion zu beheben, müssen wir das Pferd wieder ins Gleichgewicht bringen.

Das erfolgt über eine exakte Verlagerung der Tragepunkte zwischen dem tragenden Sohlenhalbmond vor der Strahlspitze und den tragenden Teilen im hinteren Hufbereich (Trachten und das hintere Drittel des Stahls). Letzterer ist mit seinen Strahlfalten so konstruiert, um den Huf bei der Weitung, die bei Belastung stattfinden muss wie eine Ziehharmonika zu unterstützen. Bei vielen Pferden kann das jahrelange stolpern bereits nach nur einer einzigen Hufkorrektur nachhaltig behoben werden. Stolpern macht demnach einen mechanischen Schutz z.B. durch Hufeisen nicht erforderlich. Das Pferd bedarf einer korrekten Behandlung des Barhufes. Nach einer guten Barhufbehandlung ist es dem Pferdehalter in der Regel nicht möglich durch Bewegung für ausreichenden Abrieb zu sorgen.