Kein Knochen ohne Mangan

Mangan findet man im tierischen Körper vor allem im Skelett, in der Leber, der Bauchspeicheldrüse, den Nieren und den Eierstöcken. Besonders gute Weidegründe liefern Pferden bereits in der Aufzucht reichlich Mangan, das in den Knochen gespeichert wird und sie so für ihr späteres Leben gut wappnet. Während man die Reserven in den Knochen gut auffüllen kann, ist die Speicherkapazität der Leber für Mangan (im Gegensatz zu Kupfer) gering. Das gilt vor allem für Neugeborene.

Für sichere Knorpelgesundheit und optimales Bindegewebe

Manganmangel führt laut klassischer Literatur zu Störungen im Bereich von Fruchtbarkeit, der Leber, der Knochen- und der Zahnbildung. Bei jungen Tieren wurden Fehlstellungen, Gelenksdegenerationen wie  Knochenauftreibungen, insbesondere der Karpalgelenke oder mangelhaftes Wachstum beobachtet.

Die mächtige Bedeutung von Mangan für den Gelenkstoffwechsel zeigt sich in seiner Funktion als Cofaktor bei der körpereigenen Bildung von Glykosaminoglykanen. Zusammen mit Schwefel wird die körpereigene Bildung von Chondroitinsulfat und damit ein Großteil der Knorpelbildung und -regeneration ermöglicht. Ein mangelhafte Zufuhr an Mangan führt unweigerlich zum Knorpelabbau.

Der Muskelstoffwechsel hängt ebenso stark von einer bedarfsgerechten Manganversorgung ab. Der Abbau von Milchsäure nach sportlicher Anstrengung durch das Enzym Pyruvatcarboxylase ist manganabhängig. Fehlt dieses Spurenelement, ist der Muskelstoffwechsel beeinträchtigt und Leistungssport limitiert. Im Reitalltag wird dann von Steifheit oder „Klemmigkeit“ des Pferdes gesprochen, der bis zum Kreuzverschlag führen kann.

Schlüssel für einen gesunden Stoffwechsel

Als Bestandteil der Enzyme Phosphatase und der Arginase ist Mangan unerlässlich zur Stickstoff-Entgiftung. Wird Harnsäure nicht in Harnstoff umgewandelt, verbleibt sie oft in der Muskulatur, übersäuert den Körper und führt zu einem steifen Bewegungsablauf.

Mangan hat nicht nur über die Entsäuerung der Muskulatur eine wichtige Funktion im Säure-Basen-Haushalt, sondern spielt auch im Rahmen der Leber – und Nierenentgiftung eine große Rolle. Empirisch findet man bei Pferden mit einem  gestörten Manganhaushalt „Fühligkeit“ nach dem Hufbeschlag, die im schlimmsten Fall in der gefürchteten Hufrehe kulminiert. 

Im übersäuerten Pferdeorganismus wird das gesamte Bindegewebe nachhaltig geschädigt. Die Belastungsfähigkeit des Sehnen- und Bänderapparates sinkt. Ein nicht bedarfsgerechte Manganversorgung bremst die Neubildung und Regeneration des Bindegewebes aufgrund mangelnder Glykosaminglykan-Synthese aus. Pferde mit entzündlichen Gelenkerkrankungen zeigen oft sowohl einen Kupfer-, also auch einen Manganmangel, der die Knorpelbildung  behindert. Äußerlich zeigt sich dieser gekoppelte Mangel in Form von Pigmentierungsstörungen, der sogenannten Kupferbrille. Bei Manganmangel in Kombination mit Leberentgiftungsstörungen wird hingegen häufig Stichelhaarigkeit beobachtet.

Weitere Funktionen

Mangan bremst die Histaminfreisetzung und fördert zusammen mit Zink die Bildung gesunder Schleimhäute (Glykosaminoglykane). In der Schilddrüse übernimmt  Mangan einige jodähnliche Funktionen, so dass Schilddrüsenstörungen oder Kropfbildungen nicht immer auf den Jodmangel zurückgeführt werden müssen. Mangan ist an der Synthese der Aminosäure Glutamin beteiligt, die für Gedächtnisleistung wie beispielsweise Konzentrations- und Merkfähigkeit sorgt.

Blutprofil gibt nur Anhaltspunkte

Die Referenzwerte für Mangan sind unklar. In der Rinderfütterung wird ein Wert von 3 µg/l im Serum angestrebt. Blutserumwerte von unter 1,5µg/l haben sich bei Pferden als kritisch gezeigt. Die Anfälligkeit für Muskelverspannungen, Sehnenschäden, Knochenbrüche oder Aortenrisse steigt mit dem verminderten Manganwert im Blut. Blutbilder sind aber leider nur unzuverlässig und nicht immer voll aussagefähig.

Unterschiedlicher Manganbedarf

Auch rechnerisch ist ein Manganmangel in der Fütterung schlecht nachzuweisen, da vermutlich ein beträchtlich erhöhter Bedarf langfristig zu einem Mangel führt.

Der Bedarf steigt in Situationen, die eine Aktivität der manganhaltigen Superoxiddismutase, ein vom Körper selbst hergestelltes Antioxidant, erfordern. Dies sind Hochleistung im Sport, Sonneneinstrahlung und Stress. Erhöhte Bedarfe entstehen bei der Stute im letzten Drittel der Trächtigkeit sowie bei der Aufzucht von Jungpferden (Entwicklung von Knorpeln, Knochen und Muskeln). Pferde bestimmter Linien scheinen einen erhöhten Manganbedarf zu haben. Sie sind oft besonders auf Leistung oder reichlich Muskulatur gezüchtet. Im Charakter zeigen sich diese Pferde ebenso oft dominant.

Natürliche Manganzufuhr

Im besten Falle wird der Manganbedarf von etwa 100mg/100 Kilogramm Körpergewicht durch manganreiches Heu gedeckt. Der Mangangehalt im Heu schwankt allerdings stark zwischen 35mg/kg (Timothy-Hay) bis hin zu 200mg in gutem Voralpenheu. Da die Werte sehr unterschiedlich sind und Pferde Heu bzw. Gras in der Aufzucht nicht in homöopathischen Dosen sondern als Hauptfutter aufnehmen, kann es zu Manganmangelerscheinungen gerade in der Aufzucht kommen, die Kissing Spines, Osteochondrosis und Muskelerkrankungen nach sich ziehen.

Die Resorption von Mangan über den Magen-Darm-Kanal gestaltet sich schwer. Diese Information legt uns nahe, eine kontinuierliche Zufuhr in möglichst organischer Form anzustreben. Das Mengenelement Calcium gilt als Gegenspieler. Während sich Kräuter und kräuterreiche Gräser durch einen hohen Mangangehalt auszeichnen, begrenzen starke Kalkungen und ein hoher pH-Wert des Bodens die Manganaufnahme der Pflanze.

Ein weiterer Faktor, der zu Manganmangelzuständen beitragen kann ist die Entmanganisierung des Wassers (zur Schonung der Brunnen seit den 50iger Jahren) sowie das sicher sinnvolle Verbot der Fütterung von Knochenmehlen an Pferde (Knochen und Gelenke sind die Manganhauptspeicher!). Entstandene Manganmängel lassen sich erstaunlich zuverlässig mit manganhaltigen Ergänzungsfuttermitteln auf der Basis von Manganchelat ausgleichen. Oft ist dies schon nach wenigen Tagen am Pferd spürbar.

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