Rückenprobleme bei Reitpferden- eine Modeerscheinung ?

Dem Pferd von heute geht es wie dem Menschen:
Es kennt Zipperlein und „Zivilisationskrankheiten“, die seinen Vorfahren gänzlich unbekannt waren.  Rückenschmerzen gehören sicherlich dazu. Mehr als 80 Prozent der Deutschen klagen laut Statistik– zumindest zeitweise – darüber. Ein ebenso großer Anteil aller Reitpferde leidet angeblich im Laufe des Lebens  - zumindest vorübergehend -darunter. Warum ist das so? Wie kann ich als Reiter und Pferdebesitzer Abhilfe schaffen? Wie vorbeugen? Wie erkenne ich überhaupt, dass mein Pferd Rückenprobleme hat?

Dipl. Ing. agr. Karin Kattwinkel, Leiterin des Pferderehazentrums und Lehrinstituts für Pferdefachtherapeuten Equo Vadis im niedersächsischen Walsrode, die sich seit mehr als
7 Jahren intensiv mit diesem Thema beschäftigt, klärt auf. Die Hauptursachen für Rückenprobleme beim Reitpferd

Ganz grob kann man diese in folgende Bereiche einteilen:

•          Sein naturgegebener Körperbau
•          Der Nutzungswandel vom Arbeits- zum Freizeitpferd
•          Zu frühes zu intensives Training
•          Der hochspezialisierte Einsatz im Sport
•          Zu wenig Training mit punktueller Überforderung
•          Unangepasste Ausrüstung
•          Schlechter Beschlag bzw. mangelhafte Hufpflege
•          Unfälle und Krankheiten
•          Unprofessionelle „Zucht“  

Das Pferd ist von Natur aus kein Lastenträger

Ohne den Menschen auf seinem Rücken ginge es den meisten Pferden besser. Denn Pferde sind von der Natur ebenso wenig als Reittiere geschaffen, wie der Mensch beispielsweise zum Skilaufen. Sollen sie das ungewohnte Reitergewicht ohne Schaden tragen, müssen sie auf richtige Weise dafür trainiert und gymnastiziert werden. Daran führt kein Weg vorbei.

Früher waren Pferde fitter als heute

Zu Zeiten unserer Groß- und Urgroßväter waren Pferde noch Arbeitstiere. Ihre körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit war „das Kapital“, das die Menschen nutzten. Oft waren diese Pferde 10 und mehr Stunden pro Tag im Einsatz, zogen Wagen, Ackergeräte, wurden nach Feierabend oder am Sonntag auch mal geritten – vielleicht sogar bei ländlichen Turnieren vorgestellt, dienten beim Militär als Pack-, Wagen- und /oder Reittiere. Meist wurden sie vielseitig eingesetzt, wobei Schritt meist die Hauptgangart war, und wuchsen langsam in ihre Aufgaben hinein. Arbeitsstuten hatten oft nur um den Geburtstermin ihrer Fohlen wenige Tage Auszeit. Dann mussten sie wieder ins Geschirr. Ihre Fohlen liefen nebenher und wurden so automatisch fit. Militärpferde durchliefen eine sorgfältige langjährige Ausbildung, denn ihre Leistungsfähigkeit war die „Lebensversicherung“ der Soldaten.

Heute sind unsere Pferde Freizeitpartner oder aber hoch spezialisierte „Sportler“. Viele Sportpferde haben in ihrer Jugend zu wenig Bewegung und werden dann oft zu früh zu stark belastet.

Karin KattwinkelReine Stallhaltung im Winter gehört in vielen Zuchtbetrieben immer noch zur gängigen Praxis. Oft stehen die Pferde über Monate in weicher Einstreu, ohne ihr Lauf- und Spielbedürfnis ausleben zu können. Starke Knochen, Bänder, gute Hufe und leistungsbereite Muskulatur können sich auf dies Weise nicht entwickeln. Das Stehen und Laufen auf ebenem, hartem Untergrund ist wichtig für die Entwicklung guter Hufe und einer korrekten Stellung der Gliedmaßen. Auf ausschließlich matschigem oder unebenem Untergrund können sich schnell Fehlstellungen und Hufprobleme entwickeln, die über kurz oder lang zu Rückenschmerzen führen. Mancher Pferdezüchter hätte in dieser Hinsicht deutlich weniger Probleme, würde er seine Pferde im Haupt-aufenthaltsbereich sparsamer einstreuen bzw. gründlicher misten und den Pferden darüber hinaus zu jeder Jahreszeit viel Bewegung gönnen.

Hohe Leistung im Kindesalter führt zu frühzeitigem Verschleiß

Viele Gesundheitsstörungen unserer Pferde nehmen bereits in der Grundausbildung ihren Anfang. In unserer schnelllebigen Zeit muss auch die Pferdeausbildung immer schneller vonstatten gehen (und beginnt immer früher) – oft über die Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit der Vierbeiner hinweg. Zeit ist Geld – zumindest für diejenigen, die junge Pferde verkaufen wollen. Zudem wissen viele, die sich mit der Grundausbildung von Pferden beschäftigen, nicht wirklich, was sie da tun, kennen weder die Grundsätze der Ausbildungsskala noch haben sie Ahnung von biomechanischen Abläufen im Pferdekörper, von Muskelphysiologie oder der korrekten Ausführung von Lektionen. Wenn man bedenkt, dass das Kreuzbein erst im Alter von vier bis fünf Jahren fest verknöchert, kann man erahnen, welchen Schaden junge Pferde nehmen, die bereits zweieinhalb- und dreijährig täglich geritten oder häufig im starken Trab präsentiert werden.

Jedes Pferd muss stark genug sein für den Reiter

Vor dem ersten Aufsitzen muss das junge Pferd stark genug sein für das Gerittenwerden. Das häufig gehörte Argument „nur nicht zu lange longieren, dann werden die Pferde zu stark und machen bei den ersten Reitversuchen Probleme“ zeugt von Inkompetenz des „Ausbilders“ und ist dem Pferd gegenüber unfair. Kein Pferd – und sei es dem Anschein nach auch noch so kräftig und wohl entwickelt – hat von Natur aus genügend Muskelkraft, um einen Reiter für längere Zeit ohne Schaden zu tragen. Wie ein Mensch, der eine neue Sportart beginnt, braucht es ein Muskelaufbauprogramm und genügend Zeit und sinnvolle Anleitung, um neue Bewegungsabläufe einüben zu können.

Das gilt übrigens auch wenn ein Pferd eine längere Pause gehabt hat. Wer während eines mehrwöchigen Urlaubs seinem Pferd eine Weidepause gegönnt hat, kann nicht gleich zu einem längeren Ausritt starten. Das Pferd wird sich anschließend fühlen wie man selbst, wenn man den ersten Tag voller Elan auf der Piste ohne Vorbereitung durch entsprechende Skigymnastik verbracht hat oder nach einem harten Tennismatch am Wochenende nachdem man zuvor wochenlang nur auf der Couch gelegen hat.

„Bodybuilding“ vom Boden aus

Das Training des untrainierten Pferdes gleich welchen Alters sollte grundsätzlich vom Boden aus beginnen (bzw. wieder beginnen): an der Longe, mit Arbeit an der Hand oder auch mit der Doppellonge. Die Phase der Bodenarbeit sollte beim jungen Pferd drei Monate nicht unter-schreiten und auch in der ersten Phase des Reitens noch den Großteil der Trainingszeit einnehmen (Faustregel: Dreijährige maximal dreimal pro Woche reiten, Vierjährige viermal). Beim älteren Pferd, das eine Pause gehabt hat, gilt: Rund anderthalb Wochen benötigt man nach einem dreiwöchigen trainingsfreien Urlaub für den Wiederaufbau – (tägliches Trainings vorausgesetzt). Muskeln wachsen nun einmal nicht über Nacht, bauen sich leider aber umso schneller ab, wenn sie nicht gebraucht werden. Wer schon einmal einen Gipsarm oder -bein gehabt hat, hat das am eigenen Körper erfahren. Bänder und Knochen brauchen noch länger, um sich auf eine erhöhte Belastung einzustellen.

Wichtig ist – wie beim Reiten – die Qualität der Bodenarbeit. Longieren hat in vielen Ställen nichts mit effektivem Training zu tun, sondern ähnelt eher einem „Schleuderkurs“ zu Lasten der Pferdegesundheit.

Arbeit an der Hand oder mit der Doppellonge erfreut sich glücklicher Weise zunehmender Beliebtheit. Hier qualifizierten Unterricht zu finden, ist jedoch gar nicht so leicht. Es sich selbst und dem unerfahrenen Pferd nach Büchern oder Videos allein beizubringen, ist ebenso schwer als wollten zwei Tanzanfänger ohne einen Tanzkurs absolviert zu haben beschwingt übers Parkett schweben.

Leider nimmt die Zahl schlecht (bzw. gar nicht) ausgebildeter Pferde zu. Die ehemals gültige Regel „Nur der geübte, erfahrene Reiter gehört auf ein unerfahrenes Pferd; Anfänger auf ein gut ausgebildetes Schul-(=Lehr-)pferd“ beherzigt heute kaum noch jemand. So haben viele Reitanfänger überhaupt keine Chance, jemals lockeres ausbalanciertes Sitzen, fein abgestimmte Hilfen und pferdegerechtes Reiten zu er-lernen. Die Schar derer, die sich aus emotionalen Gründen für ein bestimmtes Pferd entscheiden, anstatt seine Eignung für die eigenen Anforderungen in den Vordergrund zu stellen, ist groß. Oft stellt sich nach kurzer Zeit Frust und Unbehagen auf beiden Seiten ein.

In der Praxis überlasten unphysiologisches Training (zu geringe Aufwärm- und Abkühlzeiten, zu starke psychische und physische Spannung, zu wenig Pausen, Zwang zu immer gleicher Körperhaltung etc.) sowie einseitige Nutzung bestimmte Körperregionen des Pferdes. Die Pferde nehmen Schonhaltungen ein, verspannen sich und nehmen oft deshalb auf Dauer Schaden. Sie „verschleißen“ frühzeitig.

Auch im Freizeitbereich sind viele Rückenprobleme „hausgemacht“

Viele Freizeitpferde bewegen sich viel zu wenig (und fressen viel zu gut), werden oft nur am Wochenende geritten oder im Winter überhaupt nicht. Ihr Körper hat überhaupt keine Chance, in einen „trainierten“ Zustand zu kommen, denn Muskelaufbau findet nur bei regelmäßigem – möglichst täglichem oder noch besser mehrmals täglichem - Training statt. Selbst für den Erhalt einmal antrainierter Muskulatur ist Trai-ning an jedem zweiten Tag erforderlich, ansonsten wird Muskelmasse wieder abgebaut. Das gilt für Pferde wie für Menschen!

Wer denkt, dass sich Pferde in Weide- und Offenstallhaltung ausreichend bewegen und damit „automatisch“ fit fürs Reiten sind, ist auf dem Holzweg. Selbst Pferde, die viel spielen und toben, trainieren damit keineswegs die Muskulatur, die sie zum Tragen des Reitergewichts benötigen.

So geraten viele Freizeitpferde in einen Kreislauf aus fehlender Kraft für das Aufwölben des Rückens unter dem Reiter sowie von Muskelkater nach einem ans-trengenden Ausritt am Wochenende, dadurch verspanntem, schmerzendem Rücken und entsprechender Schonhaltung, die auf Dauer zu ernsten Schäden an Muskulatur, Sehnen, Bändern und Skelett, ja sogar an Stoffwechsel und Psyche führen kann.

(Richtig) Reiten können - davon profitiert vor allem das Pferd

Reiten lernen ist schwer. Je später im Leben wir damit beginnen, umso schwerer ist es. Es verlangt viel Gefühl, ein bisschen Mut, eine Menge innerer Werte (Ruhe, Ausgeglichenheit, „Führungsqualität“ etc.), ein gutes Körperbewusstsein, Balancegefühl, den festen Willen, ständig an sich selbst zu arbeiten, eine Menge Zeit und schließlich einen guten Lehrer (und damit meist auch Geld).

Gutes Reiten ist weit mehr als nur „draufsitzen, sich tragen lassen und das Pferd möglichst wenig stören“. Damit das Reitpferd gesund bleibt, muss der Reiter dessen Körper gymnastizieren und es veranlassen können, eine angepasste Haltung einzunehmen. Das schwierige daran: Diese ist nicht immer gleich – weder bei jedem Pferd, noch in jeder Gangart oder in jeder Situation. Sie ist beim jun-gen Pferd anders als beim fertig ausgebildeten und durchläuft auf dem Weg von dem einen zum anderen eine Menge „Zwischenstationen“. Das gleiche gilt innerhalb jeder Trainingseinheit: Diese sollte mit Dehnungshaltung beginnen. Nach und nach sollte das Pferd in die Lage versetzt werden sich auch mit Reitergewicht wieder selbst zu tragen.

Das geht nur mit einem tiefen Verständnis für das, was im Pferdekörper abläuft, ein guter, ausbalancierter Sitz und die korrekte Koordination der Hilfengebung sind weitere Grundvoraussetzungen.

Das gilt nicht nur für die Turnierreiter, sondern ganz besonders auch für die Freizeitreiter.

Von der Dehnungshaltung und dem „An den Zügel reiten“

Ich muss wissen, wie ich ein Pferd in die Dehnungshaltung reite, wie die Hinterhand engagiere etc. Das Schwierigste für die meisten: das feine Abstimmen zwischen Zügeldruck und treibenden Hilfen.

Nichts wird so häufig falsch verstanden wie das „An den Zügel reiten“. Meist sieht man das krampfhafte Bemühen, Anlehnung von vorne nach hinten – über starkes Gegenhalten, Ziehen und Zerren am Zügel, den Einsatz verschiedenster Hilfszügel oder abenteuerlicher Gebisse - zu erzielen. Ein Irrweg, der verspannte Pferde mit starrem Maul, festem Rücken, inaktiver Hinterhand und reduzierter Aktivität zur Folge hat. Oft beginnt das Desaster schon an der Longe: Zwei- und Dreijährige mit kurz verschnallten Ausbindern in Krampfhaltung sind landauf landab zu „bewundern“.

Bei den meisten Reitern sind die vortreibenden Hilfen zu schwach. Dann schwingt die Hinterhand nicht genügend vor, sondern fällt nach hinten heraus. Hängen die Zügel dabei durch (gestattet der Reiter dem Pferd keine Anlehnung!), fällt das Pferd auseinander und der Rücken hängt durch. Um den Rücken aufwölben zu können, benötigt das Pferd einen positiven Spannungsbogen. Dazu muss sich das noch nicht fertig ausgebildete Pferd (immer mal wieder, manchmal auch für eine konstante Zeit) am Gebiss an-lehnen dürfen! Achtung: Ab und zu muss man die Spannung he-rauslassen (Dehnen), ansonsten kann Überspannung entstehen, was zu Verspannungen bis hin zur Widersetzlichkeit führen kann.

Hält der Reiter vorne einfach gegen, wird das Pferd von vorne nach hinten geritten. Es kann nicht – wie es eigentlich sein sollte – vermehrt Gewicht auf der Hinterhand aufnehmen, sondern trägt sich und den Reiter mit der Vorhand. Dadurch ist diese natürlich auch in ihrer Bewegungsfreiheit blockiert, und das Pferd kann sich nicht genügend aufrichten. Die Hilfengebung bleibt sozusagen im Halse stecken. Es wird keine Durchlässigkeit erzielt und oft entsteht auf diese Weise ein „falscher Knick“ im Hals.

Losgelassenheit bei Pferd und Reiter

Karin Kattwinkel
Ein besonders wichtiges Element der Ausbildung ist die Losgelassenheit. Sie ist unverzichtbar für weiches harmonisches Reiten aber auch die Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Pferdes. Viele Pferde gehen unter dem Reiter ständig in hoher Grundspannung, sei es aus Überforderung (psychisch oder physisch) oder auf Grund von Unsicherheit, weil vom Reiter allein gelassen (nicht geführt). Losgelassenheit ist kein messbarer Begriff. Sie ist auch nicht nur eine optische Darstellung einer Körperhaltung, sondern eher Zwanglosigkeit und vor allem ein schwingender Rücken des Pferdes. Mit ihr soll ein rhythmisches An- und Ab-spannen aller Muskelgruppen für ein natürliches Bewegungsspektrum erreicht werden.

Übungsmöglichkeiten mit denen Losgelassenheit erreicht oder verbessert werden kann

Nicht mit jeder Übung lässt sich bei jedem Pferd die gleiche Wirkung erzielen. Während bei vielen Pferden häufige, weich ausgeführte Übergänge zwischen Schritt und Trab oder Trab und Galopp schon deutliche Wirkungen zeigen, reagieren andere besser auf Schulter herein oder Traben über Stangen. Wirkungsvoll ist es auch, wenn dem Pferd viele Biegungen abverlangt werden, sei aus auf dem Zirkel  mit Zirkel verkleinern und vergrößern oder das Reiten von Achten. Dabei muss immer versucht werden, die Dehnungshaltung durch vorwärts-abwärts zu verbessern.

Weitere Gründe zunehmender Rückenprobleme sind unpassende Sättel und auch Longiergurte.
Der Sattel soll zum Hintern des Reiters und zum Rücken des Pferdes passen. Hinter dem Gesäß müssen cirka vier Finger breit Platz bis zum Sattelkranz sein. Die Satteltaschen sollen so lang sein, dass die Unterschenkel etwa vier Finger breit auf der Satteltasche aufliegen. Das erlaubt eine optimale Hilfengebung durch den Reiter. Wichtig ist auch der passende Abstand zwischen Sitzmitte und Steigbügelaufhängung. Dadurch wird die Lage des Schenkels entscheidend beeinflusst. 

Die Passform des Sattels auf dem Pferd ergibt sich aus der Ortweite und der Polsterung des Sattelkissens. Die Widerristfreiheit soll herstellerabhängig bei ca. 1,5 bis drei Finger breit liegen. Andernfalls besteht die Gefahr von Satteldruck. Der Schwerpunkt eines Sattels muss im mittleren Drittel liegen. Befindet sich der Schwerpunkt weiter hinten, liegt also der Sattel hinten zu tief, so sitzt auch der Reiter weiter hinten. Es kommt zu Satteldruck im hinteren Bereich und der Sattel wird gleichzeitig nach vorn gegen die Schulter gedrückt. Liegt dagegen der Sattel hinten hoch, rutscht auch der Schwerpunkt vor. Der Reiter sitzt zu weit vorn und kommt nicht richtig zum Sitzen. Überaus wichtig ist zudem die richtige Lage des Sattels. Sie muss beim Pferd eine ausreichende Schulterfreiheit zulassen. Der Sattel – das heißt das Kopfeisen – muss unbedingt hinter der Schulter liegen. Nur dann kann sich das Pferd frei bewegen. Viele Reiter satteln grundsätzlich zu weit vorn. Die noch aus Militärzeiten stammende Formel „eine Handbreit zwischen Ellbogen und vorderer Kante des Sattelgurtes gilt nur noch selten, da wir uns vom militärischen „Normpferd“ und damals gängigen Sattelmodellen weit entfernt haben!

Die Breite des Sattelkissenkanals spielt eine Rolle bei der Wirbelsäulenfreiheit. Ein Sattel soll möglichst viel Auflagefläche haben und den Druck gleichmäßig auf dem Pferderücken verteilen. Dies ist der Fall, wenn der Kissenkanal schmal ist. Gleichzeitig darf der Sattel aber unter keinen Umständen über der Wirbelsäule aufliegen, da sonst die Dornfortsätze gereizt werden. Daher darf der Kissenkanal nicht zu schmal sein, vielmehr muss er entsprechend der Breite der Wirbelsäule des Pferdes ausgewählt werden. Das Polster muss in der Fläche gleichmäßig ohne Beulen sein und darf nicht zu hart gefüllt werden. Ein Polster sollte auch nicht zu häufig nachgepolstert werden. Wenn aber der Sattel nicht mehr richtig liegt oder das Polster zu hart geworden ist, dann muss es auch komplett ausgetauscht werden. Um diesen Austausch vorzunehmen, darf nicht nur ein kleiner Schnitt am Ende der großen Satteltasche vorgenommen werden, durch den das Polster nachgefüllt wird. Denn dann ent-steht die gerade unerwünschte ungleiche Polsterung. Der Sattler muss sich die Mühe machen, das ganze Kissen vom Sattel zu trennen. Hierauf sollte der Kun-de auf jeden Fall achten, da sich zu viele Sattler die Mehrarbeit leider ersparen wollten.

Ein häufiges Problem bei Pferden mit kurzem Rücken, die mit Wander- oder Westernsattel geritten werden, ist die Länge des Sattels. Erreicht der hintere Kissenrand den Bereich der Lendenwirbelsäule, wird der lange Rückenmuskel zwischen dem Sattel und den langen Querfortsätzen der Lendenwirbel schmerzhaft gequetscht. (Test: Ertasten Sie die letzte Rippe = Höhe des letzten Brustwirbels -und verlängern diese Linie nach oben bis zum Rücken. Das ist der Punkt, bis zum dem der Sattel maximal reichen darf.)

Aufsteigen sollte man übrigens am besten mit einer Aufsitzhilfe. Es ist pferdefreundlich, sattelschonend und für den Reiter bequem zugleich. Der durch das Aufsteigen von unten verzogene Sattelbaum und das linksseitig steilere Kopfeisen ist bei allen Herstellern der häufigste Reklamationsgrund und oft die Ursache für linksseitigen Muskelschwund in der Sattellage, daraus resultierende Rückenprobleme und auf Dauer sogar einseitig zehenenge Stellung (links bei Aufsitzen von links) der Pferde.

Achten Sie beim Kauf einen Longiergurtes darauf, das dieser den Widerrist nicht durch dicke Polster regelrecht in die „Zange“ nimmt.

Nur selten sind Unfälle oder Krankheiten die Ursache von Rückenproblemen.

Natürlich können auch die Folgen von Stürzen, Ausrutschern, ungeschickten Landungen nach einem Sprung, wüsten Weidespielen, Vollbremsungen oder Unfälle mit dem Pferdeanhänger oder „Ins Halfter hängen“ (vor allem wenn daraus resultierende Blockaden nicht erkannt werden) zu Rückenproblemen führen. Auch verschiedene Erkrankungen wie z.B. Borreliose, Kreuzverschlag, PSSM können die Funktion des Pferderückens beeinträchtigen. Doch haben diese Ursachen an der Gesamtzahl der rückenkran-ken Pferde eher einen verschwindend geringen Anteil.

Häufiger sind die Zähne schuld, wenn es im Rücken und Fahrwerk klemmt. Bereits kleinste Veränderungen am Pferdegebiss können massive Probleme des Bewegungsapparates auslösen. So kommt es beispielseise bei einer einseitigen Dys-balance des Kiefergelenks zur Neigung des ersten Halswirbels, Spannungen im Genick und als Kompensation in der Folge zu weiteren Wirbelfehlstellungen im Bereich der Halswirbelsäule die sich bis in die Brustwirbelsäule fortsetzen können. Nutzt ein Pferd seine Schneidezähne (z.B. durch Aufsetzen oder Fressen an Holzbalken) vermehrt ab, sind die Backenzähne im Vergleich zu den Schneidezähnen oft zu lang. Das Pferd kann sein Futter dann nur noch mit enormem (Über-)Druck im Bereich der Kiefergelenke zermahlen. Ein massiv verspannter Rücken ist die Folge.

Rassenmixe leiden besonders häufig unter Rückenproblemen

Und noch ein Grund soll nicht ungenannt bleiben: die zahlreichen Rassenmixe a la Traber mal Araber mit ein wenig Gangpferdeeinschlag. Wenn Pferdeliebhaber unbedingt Nachwuchs aus der eigenen Stute besitzen möchten, ohne dabei in ihrer emotionalen Euphorie bei der Auswahl der Elterntiere auf künftige Reiteignung zu achten, entstehen oft Vermehrungsprodukte, deren Exterieur weder Leichtrittigkeit erwarten lässt noch die spätere Suche nach einem passenden Sattel zum Erfolg führt. Pferde, die stark überbaut sind, einen zu kurzen oder zu langen Rücken haben, einen ungünstigen Halsansatz, möglichst noch kombiniert mit steiler Schulter, deren Huf-, Fesselbein und Schulterwinkel stark voneinander abweichen, haben es als Reitpferd besonders schwer. Der zusätzliche Aufwand, der für ihre Gesunderhaltung leistet werden muss, treibt viele Besitzer zur Verzweiflung.

Daran erkennen Sie, dass Ihr Pferd vermutlich Rückenprobleme hat:

  • Es schnappt beim Satteln, legt die Ohren an und/oder tritt (droht) mit dem Hinterbein.

  • Beim Putzen und /oder Ab-streichen mit der Hand drückt es den Rücken weg, schnappt, tritt und/oder legt die Ohren an.

  • Wenn Sie es vom Auslauf oder von der Weide holen wollen, läuft es weg.

  • Es lässt sich schlecht aussitzen, schwingt nicht im Rücken.

  • Es lässt Sie schlecht aufsitzen, tänzelt und steht dabei nicht still.

  • Beim Reiten schlägt es mit dem Kopf und/oder ist unruhig in der Anlehnung.

  • Es reißt immer wieder die Zügel aus der Hand.

  • Rückwärtsrichten ist nur mit Widerstand möglich.

  • Es blockiert in den Übergängen oder wird dabei untaktmäßig im Bewegungsablauf.

  • Es galoppiert ungern an und/oder springt häufig in den Kreuzgalopp bzw. fällt oft aus.

  • Es geht schlecht vorwärts oder aber startet plötzlich unkontrollierbar durch.

  • Es verweigert plötzlich Sprünge, die bislang kein Problem darstellten.

  • Es trägt auch beim Freilaufen den Hals starr und ohne sich von selbst nach vorne abwärts zu dehnen.

  • Es trägt den Schweif schief, mit viel (steif abgestellt oder abgeknickt) oder völlig ohne Spannung (wie „ein totes Haarbündel).

Auch wenn Ihr Pferd nur eine dieser Verhaltensweisen zeigt, sollten Sie es auf mögliche Rücken-schmerzen untersuchen bzw. untersuchen lassen.

So testen Sie selbst, ob Ihr Pferd ev. Rückenprobleme hat:

Fahren Sie mit Ihrer Hand und mäßigem Druck über den Rücken. Ihr Pferd sollte dabei auf keinen Fall „in die Knie“ gehen und auch nicht schnappen oder die Ohren anlegen. Spüren Sie dabei auch Zonen mit vermehrter Wärme oder Kälte auf. (Wärme zeigt u.U. Überlastungen/Entzündungen auf, Kälte gibt Hinweise auf energetische, nervale oder Durchblutungsstörungen. Fahren Sie mit Druck mit den Fingerspitzen von hinten nach vorne den Bauch entlang. Ihr Pferd sollte dabei den Rücken möglichst gleichmäßig von hinten nach vorne aufwölben. Bleibt alles gerade wie ein Tisch, liegen vermutlich erhebliche Blockaden der Wirbelsäule zumindest jedoch starke Muskelverspannungen vor.

Halten Sie zunächst eine Möhre an die rechte Rumpfseite, dann an die linke. Ihr Pferd sollte den Hals zu bei-den Seiten gleich gut biegen können.

Beobachten Sie Ihr Pferd in der Bewegung. Lassen Sie es von einer anderen Person im Schritt auf gerader und auf gebogener Linie sowie auf weichem und dann auf hartem Untergrund führen – im Schritt und dann im Trab. Ist der Bewegungsablauf gleichmäßig, taktrein? Tritt es mit dem Hinterfuß in die Spur des gleichseitigen Vor-derfußes? Oder seitlich daneben?

Übungen, die den Rücken stärken
Karin Kattwinkel
Dazu gehören in erster Linie die Seitengänge. Schulter herein und Kruppe herein (Travers) sorgen für mehr Dehnung auf der jeweils äußeren Körperseite und machen die Wirbelsäule zu beiden Seiten beweglich. Wird das Schuler herein mit großem Abstellwinkel (weitem seitlichen Überteten der Hinterhand) aus-geführt, sorgt es dafür, dass sich die langen schrägen Kruppenmuskeln dehnen und damit lösen und sich der lange Rückenmuskel besser frei bewegen kann. Viele durch falsches Reiten ausgelöste Rückenverspannungen lassen sich durch tägliches Schulter herein vom Boden aus beheben oder zumindest mildern. Das geht auf jedem breiten Waldweg und sogar am Halfter auf einer breiten Stallgasse. Je langsamer und je weiter das seitliche Überfußen mit der Hinterhand, desto wirkungsvoller.

Dem Pferd beibringen, den Hals fallen zu lassen, entspannt die Oberlinie (und die Psyche). Zirzensische Gymnastik wie Hals biegen (nach unten füttern) und beugen (zur Seite füttern), Verbeugen, Kompliment, dehnt und mobilisiert das gesamte Pferd wie Skigymnastik den Menschen, um bei dem anfangs gewählten Beispiel zu bleiben.

Dieser Hilfszügel zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er dem Pferdehals seitliche Bewegungsfreiheit erlaubt. Der Zügel besteht aus einer umlaufenden Schnur mit Lederenden, die ein leichtes Verstellen der Länge erlauben. Mit je einem Haken wird er auf beiden Seiten am Longiergurt befestigt. Der Schnurteil des Zügels gleitet durch einen Ring zwischen den Vorderbeinen, sodass er automatisch auf der einen Seite nachgibt, wenn sich das Pferd zur anderen stellt. Deshalb eignet er sich vor allem für junge Pferde, die noch nicht gerade gerichtet sind, und Pfer-de mit Rücken- oder Halsprob-lemen. Durch die flexible Wir-kungsweise des Trainingszügel kann sich das Pferd im Verhält-nis seiner Losgelassenheit gerade richten – es wird also nicht „in Form“ gebunden - und durch die in die Tiefe führende aber nicht zwingende Einwirkung schneller und besser lösen und den Rücken aufwölben. Außer-dem erlaubt er dem Pferd den Kopf zeitweise immer wieder hoch zu nehmen, um sich auszubalancieren.

Aber auch beim Reiten lässt er sich einsetzen, wenn der Reiter beispielsweise noch nicht in der Lage ist, sein Pferd selbst an den Zügel zu reiten. Anders als Dreieckszügel oder Ausbinder erlaubt der Trainingszügel das Stellen und Biegen des Pferdes in den verschiedenen Bahnfiguren und Lektionen und weist lediglich sanft den Weg in eine stabile Anlehnung. So kann sich der Reiter erst einmal auf sich selbst, auf Tempo und Richtung konzentrieren, ohne dem Pferd zu schaden.

Dehnung:

5 Tricks des Pferdes sich zu entziehen:

            Wird schief (traversartig)
            Im Stand ein Bein entlasten
            Hinterbeine nach hinten raus
            Medial fußen
            Nach außen stellen oder vermehrt nach innen( Kopf herein) bzw.
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