Ein Portrait über Patricia Gräfin Beissel von Gymnich
(Ritterspiele auf Burg Satzvey)
von Helga Berrenrath
Es muss nicht immer ein Ritter sein!
Auf den heutigen Ritterturnieren, von denen es zahlreiche in Deutschland gibt, findet man immer wieder Frauen, die an dem einen oder anderen Ritterturnier teilnehmen. Wo Pferde sind, sind bekanntlich auch Frauen. Eine Frau bei den Ritterturnieren? Warum nicht, denn auch sie können geschickt und mutig wie die Ritter reiten und kämpfen.
Eine junge Dame gehört zu den Ritterturnieren - Patricia Beissel, Jahrgang Mai 1985 -
Wie begann ihr Ritterleben?
Durch die Veranstaltungen auf der mittelalterlichen Burg Satzvey begann das Ritterleben von Patricia schon mit der Geburt. Mit dreieinhalb Jahren erhielt sie bei ihrer Oma auf der Burg Satzvey ihre ersten konventionellen Reitstunden. Als sie 13 Jahre alt war, lernte sie den Stuntkoordinator Dr. Steve Szigeti kennen, dessen Pferde auf der Burg Satzvey standen. Für ihn pflegte sie die Pferde, als wären sie ihre eigenen, schaute ihm bei den Reitkünsten zu und erhielt von ihm eine Stuntausbildung zu Pferde.
Patricia lernte eine vollständige Umstellung der Reitweise. Sie lernte bei Dr. Steve Sizgeti, wie man Pferde zur selbständigen Mitarbeit motiviert. Dies bedeutete einen neuen und anderen Umgang mit den Pferden, nämlich sich in die Rolle des Pferdes zu versetzen, seine Psyche und sein Verhalten zu verstehen und daraus Können und Erfolg von Pferd und Reiter zu entwickeln. Zur Stuntausbildung gehörte unter anderem auch das Reiten mit nur einem Zügel oder ohne Zügel sowie auch eine andere Art des Einsatzes von Gewichtshilfen – dies ist wichtig beim Trickreiten, da die Pferde, egal, ob der Reiter auf einer Seite des Pferdes steht, hängt oder andere akrobatische Übungen ausführt, weiter gerade aus laufen müssen.
Um aber bei den Stunt- und Rittershows mitwirken zu können, hat sie erst einmal – wie viele andere – als Knappe Dienste geleistet wie die Pferde zu pflegen und abzureiten sowie die Ausrüstung des Ritters bereitzustellen und ihm zur Seite zu stehen. In dieser Zeit war sie erst 15 Jahre alt.
Mit fast 17 Jahren durfte sie endlich und langersehnt an der ersten Show teilnehmen. Sie erinnert sich: „Es war ein Exerzitium für Ritter. Es galt für die Ritter, sich zu qualifizieren. Das Ziel des „Lindis Ritt“ war, dem Mädchen, das im Galopp gejagt wurde, ein Tuch von der Schulter zu rauben, ohne sich jedoch von den anderen Rittern, die mit einem Schlagsack bewaffnet waren, aus dem Sattel heben zu lassen. Dies habe ihr – so Patricia - große Freude bereitet, da sie hier erstmals ihre Reitkünste zeigen konnte und vor hohe Anforderungen gestellt war – denn vor so vielen Leuten zu reiten, stellte eine zusätzliche Herausforderung dar.
Im Jahr 2004 hat Patricias Mutter einen mittelalterlichen Roman „Und flog in anderes Land“ geschrieben. In dem Roman ähnelte die Hauptfigur der wilden Patricia. Dieses Buch wurde die Basis für eines der Turniere, die aufgeführt wurden. Hier erhielt Patricia die erste Sprech- und Hauptrolle bei den Ritterturnieren auf der Burg Satzvey. Von diesem Zeitpunkt an wurde Patricia ein fester Bestandteil im Team „Die Ritter der Burg Satzvey“ unter der Leitung von Dr. Steve Szigeti. Die Ritter der Burg Satzvey sind mit ihren Choreographien nicht nur auf den Ritterturnieren auf Burg Satzvey zu sehen, in Deutschland und Europa ist die Truppe unterwegs.
Patricia und ihre Rollen
Patricia ist gleichwohl nicht zu einer Art männlichen Ritter geworden, sondern stets das wilde Mädchen auf den Stuntpferden geblieben oder auch die sanfte Prinzessin, um die gekämpft wurde. Patricia: „Die Ritter sind sich allerdings in einem Punkt einig, ein Mädel in Ritterrüstung nicht zu dulden. Denn allein durch die Haltung und die Art zu reiten, erkennt man die Frau unter dem Ritterhelm“. Diese Einstellung ihrer männlichen Freunde im Team macht Patricia nichts aus, denn für sie gibt es genügend Rollen, die sie voll auszuspielen weiß. Im Übrigen ist sie mit dem Team verwachsen und die Männer akzeptieren sie als Bestandteil ihres Teams.
Wenn man sie allerdings heute fragt, was ihre liebste Rolle gewesen sei, dann lacht sie nur, steigt aufs Pferd und zeigt mit ihren Kunststücken, dass ihr jede Rolle recht ist, bei der sie die Kunst des Reitens und des wohlverstandenen Umganges mit dem Pferd zeigen kann.
Ihr großer Liebling war der Schimmel „Szellö“, der leider heute nicht mehr lebt. Nicht nur sie brachte dem Schimmel etwas bei, sondern lernte umgekehrt auch von Szellö, mit dem sie an unzähligen Shows und Ritterspielen teilgenommen hat. Mit ihm konnte sie das Trickreiten zeigen, weil beide miteinander wie verwoben waren und einander vertrauten.
Aber nicht nur auf Ritterturnieren ist Patricia zu sehen. Sie wirkt in Phantasieshows mal als Amazone oder ein anderes Mal als Feenkönigin mit, zuweilen auch in Filmen, zum Teil auch als Stuntdoubel wie beispielsweise „Verbotene Liebe“ oder „Don Quichote“.
Neben der Schauspielerei befasst sich Patricia nach einem erfolgreichen Studium mit dem Beruf einer Eventmanagerin und wenn sich Patricia vorstellt, nennt sie ihren Titel nicht. Sie möchte, dass man sie als Person Patricia kennen lernt und akzeptiert. Und wer die Gräfin persönlich kennenlernen will, der sollte sich im kommenden Jahr das Ritterturnier auf der Burg Satzvey anschauen, denn dann feiert die Burg Satzvey „30 Jahre Ritterfestspiele“
www.burgsatzvey.de
