Dringend benötigt : Der Pferde-TÜV

Es ist für mich ein sehr wichtiges Thema, das hier angesprochen wird. Es war im Prinzip überfällig, sich offen und nicht hinter vorgehaltener Hand mit einem Geschehen im Pferdesport -vor allem im Springsport - auseinanderzusetzen  und einer Entwicklung, die eskaliert .

Die „Null-Lösung“ der Verbände - ein Irrweg

Viele alltägliche Heilmittel für das Pferd sind im Reitsport außerhalb des Wettkampfes erlaubt, dürfen aber im Wettkampf auch in Kleinstdosen nicht nachweisbar sein.

Diese so genannte Null-Lösung führt zu Unsicherheit und Zweifeln, ob nicht doch ein Heilmittel für eine in den Tagen des Wettkampfes oder kurz zuvor aufgetretene , aber offensichtlich nur kurz andauernde  leicht behebbare Krankheit des Pferdes oder leichte  Verletzung , Muskelverspannung oder Sehnenreizung  zum Wohl des Pferdes angewendet werden  muß.

Ludger Beerbaum hat den Stein ins Rollen gebracht. Ihn  für seine Aussage so zu bestrafen, wie es durch den Bannstrahl der Verbände und mancher sich selbst als sündenlos darstellender , angeblich überraschter Personen geschehen ist, halte ich  für falsch und scheinheilig. Er war in einem Moment einfach ehrlich und hat gesagt, was er dazu meint. 

Wir Reiter hätten uns sehr viel früher den Geschehnissen und Entwicklungen entgegenstellen  müssen. Es wäre für alle Beteiligten  eine  ethische Pflicht gewesen, viel eher  über Inhalte des Sports zu  reden und die Gedanken auszutauschen, nämlich spätestens dann, als wir bemerkten, dass  ein enger werdendes Regelwerk  zunehmend Ermessensspielräume der Tierärzte und  Reiter über dringend notwendige medikamentöse Behandlungen und Präparate  ausschließt, die Labore immer besser werden, um jedes Medikament und Präparat im Körper des Pferdes aufzuspüren und wir bemerkten, dass durch das enge Regelwerk letztlich die Pferde leiden, sei es durch die schwarzen Schafe im Reitsport, die durch immer neue Varianten der Medikation nicht auffallen wollen, oder sei es durch die gutmeinenden Reiter, die dafür sorgen wollen, aber nicht erreichen können, dass ihre Pferde keine Qual  erleiden. Schuld ist an der Entwicklung insbesondere die  so genannte  Null-Lösung , die bedeutet, dass grundsätzlich  keine Medikamente oder sonstige Präparate  eine bestimmte Zeit vor  den Wettbewerben und während der Zeit der Wettbewerbe auf den Turnieren den Pferden eingegeben oder gespritzt werden. Als diese Null-Lösung  in unseren Sport kam,  hätten wir Reiter aufstehen und sagen müssen:  So können wir unsere Pferde nicht mehr versorgen und gesund halten.

Null-Lösung mit Qual oder Umgehung mit Qual - der Teufelskreis der Null-Lösung

In der Diskussion, in der allzu oft  vom großen Schock und von Tierquälerei sowie von Überforderung der Pferde im Leistungssport   gesprochen wird , übersehen viele gutmeinende Menschen , aber ebenso auch bösgläubige scheinheilige  Pharisäer, dass es nicht  um Doping oder den Einsatz von Medikamenten und Präparaten zur Leistungssteigerung des Pferdes geht, als vielmehr um das Pferd und dessen Gesunderhaltung oder die Heilung des Körpers.

Es geht darum, Sportler ebenso wie die Pferde im Sport  gesund, fit und gelaunt zu halten. Sport kann weder von Menschen noch von Pferden im Zustand vorübergehender Behinderung durch Unwohlsein, Allergien, Rücken- oder Muskelschmerzen und völlig  ohne den  Einsatz von heilenden Medikamenten  oder Präparaten betrieben und begleitet  werden, wie es die Null-Lösung verlangt..

Wenn man den Einsatz von Heilmitteln oder anderen heilenden Mitteln mit Strafe belegt, dann arten sportliche Wettbewerbe zu Wettbewerben aus , in denen oft nur derjenige der Sieger sein wird, der sich selbst oder seinem Pferd Qualen ohne heilende Mittel zumutet.

Ebenso abstoßend  und abartig für den normal denkenden Menschen sind Methoden zur Umgehung der Null-Lösung,wenn Reiter oder Ausbilder   heimlich zu anderen Mitteln greifen, sei es in Form von nicht auffallenden und sich wieder verflüchtigenden  Medikamenten oder Präparaten oder sei es in Form mechanischer Zwänge in der Ausbildung, beispielsweise durch  Elektoschocks, Eisenstangen beim Barren, stacheldrahtumdrehte Hindernisstangen, Bandagen mit kurzen Nägeln oder Stacheln in der Innenseite oder ähnliche schreckliche unmenschliche Vorgänge, die hinter verschlossenen Toren der Reithallen stattfinden.

Was den Tiermedizinern und Reitern zum Wohl der Pferde möglich bleiben muß

Es muss uns Reitern möglich sein und auch den Tiermedizinern, dass wir mit  Zustimmung der Tierärzte  die durch die Forschungen und Entwicklungen in der Tiermedizin  besser gewordenen  Behandlungsmethoden  und  Mittel auch  zur Abwendung von Leiden und Schmerzen des Pferdes anwenden und  so die Pferde optimal  betreuen .

Ludger Beerbaum ist ein Perfektionist, der in seinen Trainingsabläufen alles perfekt machen will. Er sprach - wenn wir ihn richtig verstanden haben oder auch richtig verstehen wollen-  nicht von Doping, sondern er warf das Thema auf , das bei vielen Reitern bisher zu Zweifeln und Unsicherheit geführt hat. Er hat zutreffend erkannt,  dass  auch Tierärzte , die sich der Milderung von Schmerzen oder Leiden verpflichtet fühlen und die sich in ihrem Wissen und den Erfahrungen an den Fortschritt der Medizin anpassen und auf die Betreuung von Pferden spezialisiert haben, nicht durch starre Regelwerke mit Null-Lösungen von der Behandlung abgehalten werden dürfen.Es geht um das Behandeln und nicht darum, dass angeblich versucht wird, immer wieder neue Wege  zu finden, die Leistungen der Pferde mit verdeckten oder vertuschten Zusammensetzungen von Medikamenten oder Präparaten zu steigern , die auf dem Markt in ständiger Weiterentwicklung angeboten werden. Er ist aus meiner Sicht missverstanden worden . Es geht ihm also nicht darum, dass er nach Mitteln sucht, die  angeblich nicht gefunden werden sollen.

Bedenken Sie: Die vornehme und ethische  Aufgabe des Tierarztes ist das  Behandeln und Heilen., Wenn wir in der Sorge vor den schwarzen Schafen im Pferdesport das Behandeln verbieten, dann nehmen wir den Tierärzten diese wichtigen Aufgaben.

Meine größte Sorge:  neue nicht auffallende  Mischungen und Mixturen

Andererseits gibt es - und dies verkenne ich nicht- auch   Tierärzte , die ihren Beruf der Betreuung der Pferde im Pferdesport bewahren wollen . Diese haben sich etwas einfallen lassen und haben aus den letzten Ecken irgendwelche Mixturen und Präparate   und Überdosierungen gemischt, die nicht in der  Doping -Liste aufgeführt sind .Über solche Geschehnisse mache ich mir viel mehr Sorgen, vor allem Blick darauf, dass diese Tierärzte oder die Reiter  ihrem  Pferd solche Mittel geben oder spritzen, über deren Folgewirkungen  es  noch nicht - wie etwa in der Humanmedizin - durch gewissenhafte  wissenschaftliche Tests gewonnene Erfahrungen gibt.  Diese Handhabung  haben Reiter einfach so akzeptiert . Sie haben sich - nicht zuletzt bedingt durch wirtschaftliche Zwänge oder durch falschen Ehrgeiz - gesagt, dass sie auf diese Weise im Hochleistungssport  quasi  selbst überleben können. Aber sie denken nicht oder zu wenig  an ihren Kameraden -das Pferd .

Das ist ein Fehler und Irrweg , den es im Pferdesport zu beseitigen gilt.  Wir müssen  differenzieren und dürfen nicht einfach nur Zeter und Mordio rufen und scheinheilig  mit dem Finger auf die Personen zeigen, die es nicht besser wissen oder wissen können.

Der Fluch des gut gemeinten Regelments

Das derzeitige Regelement der Null-Lösung verführt die schwarzen Schafe zur Umgehung.

Die gute Tat erzeugt Böses und wendet sich zum Fluch.

Die Lösung  liegt doch wohl darin, dass jeder Pferdesportler einfach klar und ehrlich darüber Auskunft gibt, ob, wann und wie er das Pferd behandeln ließ oder selbst behandelt hat . Die Tierärzte und Reiter  müssen  offen gegenüber den Verbänden und  in der Öffentlichkeit sagen, was das Pferd in der Haltung und im Training benötigt, um gesund zu bleiben.

Die Medikamente, die einem Pferd guttun, um eine Heilung zu beschleunigen und zur Genesung eines Pferdes wichtig sind,  müssen erlaubt werden.

Ohne diese Rahmenbedingungen verfällt diese Sportart, die übrigens in unserer modernen Zeit das Überleben der Spezies „Pferd“ auf dieser Welt der Technik gesichert hat.

Viel schlimmer aber ist es, dass dann die Pferde ohne wohltuende Mittel im Turnier im Hochleistungssport im Ergebnis der angeblich gewollten  Sauberhaltung des Pferdeleistungssports gequält werden.  Die ist der Fluch der -zumeist von den Verbänden- gut gemeinten Tat!!

Ich gebe daher die klare Aussage, dass derjenige Reiter, der sein Pferd nicht versorgt und nicht behandelt,  ein Tierquäler ist und dass der Reiter, der Mittel zur Leistungssteigerung gezielt einsetzt, ebenfalls zu dieser Kathegorie gehört.

Allerdings gibt es zwischen diesen beiden Polen zurzeit keine befriedigende Abstufung.

Natürlich gibt es Formen des  Doping, die verboten bleiben müssen. Hart bestraft werden muß der Tierarzt oder Reiter, der mit Medikamenten die Leistung steigert oder steigern will. Die Strafe verdient er nicht nur deshalb, weil er sich gegenüber den Wettbewerbern im Turnier unrechtmäßig Vorteile verschafft, sondern auch und vor allem deshalb, weil er den Körper des Pferdes bewusst  schädigt oder die Schädigung billigend in Kauf nimmt.. Da gibt es kein Pardon!!

Beispiele der Tierquälerei und des Verbots zur Hilfe ,Qual zu lindern

Lassen Sie mich Beipiele zu der heutigen verworrenen Situation mangels klarer pferdeschonender  Richtlinien geben:

Wenn  ein Pferd währen der Wettkampfveranstaltungen urplötzlich eine starke Allergie hat, weil es  irgendwo eine Pflanze auf einer Wiese gefressen hat , dann muß der Tierarzt   –  ähnlich wie  bei einem Menschen auch – ein Kurzzeitcortison geben. Ohne das Präparat schmeißt sich dieses Pferd vor Schmerzen und Hufkratzen in der Box herum und verletzt sich. Allergien können bekanntlich bei Menschen und Tieren bis hin zum Tod führen.

Die Medikation muss ein Tierarzt vornehmen dürfen, ohne dass ihn oder den Reiter oder Pferdebesitzer starre Regeln hieran hindern dürfen. Das Medikament ist heilend, vielleicht sogar lebensrettend. Das Pferd kann nach dem Allergieanfall und der Eingabe des Medikamentes ohne gesundheitliche Probleme den Sport fortsetzen. Das Medikament ist auch nicht leistungssteigernd.

Ich glaube, dass auch schon aus diesen oder ähnlichen Gründen olympische Medaillen aberkannt worden sind, obgleich in diesen Fällen  keine leistungssteigernden Mitteln benutzt worden sind. Meist handelt es sich um Fälle, in denen ein Pferd ohne künstliche Leistungssteigerung  nur  möglichst körperlich fit gehalten worden ist, um dieHochleistung zu bringen. Die Aberkennung des Erfolgs ist in meinen Augen komplett falsch.

Daher gilt es zu differenzieren zwischen den guten und bösen Mitteln. Wenn ich daran denke, dass auch heute in unserem Reitsport leider Fälle von Kokain aufgetaucht sind, wo sich der Reiter ohne große geistige Anstrengungen selbst sagen kann,  „da ruiniere ich einen Körper, da mache ich ein Wesen kaputt „ , oder wenn ein  Anabolikum gebraucht wird, das  einen Eingriff  in den Körper darstellt, weil es nicht natürlich ist, wenn im Körper durch äußere Mittel bedingt ein  extremer Muskelaufbau stattfindet, so zerstöre ich mit diesem „Medikament“-das kein wirkliches Heilmittel ist- den eigenen menschlichen Körper oder den Körper des Pferdes . Dies sind die bösen Mittel, zu denen zahlreiche weitere angebliche Medikamente gehören.

Das natürliche Schmerzmittel ADRENALIN

Man spricht im Alltag selten  davon, dass das stärkste Schmerzmittel bei Menschen und Tieren das Adrenalin sein kann. Das ist die bewußte Verursachung von Stress in Verbindung mit Adrenalin- stössen beim Pferd. Diese Stresserzeugung im Vorfeld von Wettkämpfen mit äußeren Mitteln führt während des Wettkampfes zum Stress des Pferdes und zur Ausschüttung von Adrenalin im Blut, sobald das Pferd  im Wettkampf mit bestimmten Stress-Objekten konfrontiert ist. Die Phantasie der Reiter und Ausbilder zur Herbeiführung dieser Wirkungen ist fast grenzenlos.

Ich finde, dass es  perfide und unfair gegenüber dem Pferd und dessen Gesundheit ist, dass -übrigens in der letzten Zeit häufiger - zu derartigen oder ähnlichen Methoden gegriffen wird, durch die das Pferd gequält und dessen Gesundheit rücksichtslos ruiniert wird.  Dazu gehört leider auch, dass manche Reiter als  schwarze Schafe , die sich des für sie recht wirksamen Mittels Adrenalin bedienen ,  mehr Erfolg  auf Turnieren haben. Demgegenüber können andere positiv denkende Reiter, die  sich wirklich Sorgen um ihr Pferde machen, in Turnieren echte Einsatzprobleme haben, weil sie wegen der Unsicherheiten der Regeln und der Null-Lösungen nicht  wissen, in welchen Fällen es ihnen erlaubt ist,  dem Pferd mit vielleicht  gerade noch zulässigen  Mitteln zur Unterstützung   der Gesundheit beizustehen . Sie gehen, wenn sie dem Pferd helfen, Risiken ein.  

Es gibt in unserem Sport eindeutig  Reiter, die ihre  Pferde quälen. Dies findet Nachahmer. Es gibt genügend  Reiter, die anderen Reitern abschauen, wie sie die Leistungen ihrer Pferde „ steigern “. Die Nachahmer wollen nicht zurückstehen

So schleichen sich in der Szene des Spitzensports  heimliche Anwendungen von bestimmten Mitteln ein, die sich bald  verbreiten, weil der äußere Erfolg -eine Platzierung -  die Sache bestätigt.

Viele der  bewussten oder unbedachten Verhaltensmuster gehören aus meiner Sicht  nicht zum Thema der Unsicherheit und des Zweifels über die Reichweite zulässiger Mittel, sondern  recht eindeutig  zur Tierquälerei . Sie müssen  auch geahndet werden. Dort wurde in den letzten Jahren sehr wenig hingeschaut.

Besonders unfair gegenüber dem Pferd  ist es , einem Pferd zwei bis drei Tage – vor einer Prüfung – das  Trinken von Wasser zu verweigern, um auf diese Weise ein Pferd ruhig zu stellen. Das ist Tierquälerei , die jedoch ebenfalls nicht so leicht auffällt.

Da wären wir  bei einem  negativen Fallbeispiel, das zeigt, wohin die Null-Lösung schwarze Schafe führt  Sie gibt ungewollt  Anreize , zu anderen nicht zu rechtfertigenden Methoden zu greifen. Es ist  für mich ein sehr schlimmes, armselige Verhalten von Pferdebesitzern oder Reitern , das  es leider  schon seit Hunderten von Jahren gibt. Das sind alte Pferdehändlertricks, zu dem die Leute heute wieder zurückkehren . Dahinter verbirgt sich der Gedanke, daß  ein sehr  nerviges Pferd, dem man Wasser entzieht,  auf Dauer ruhiger wird , sich sich stärker  auf sich selbst  konzentriert und   sich auch nicht mehr so schnell bewegt. Dies kann je nach Ziel ein gewünschtes  Ergebnis für den Reiter -aber gegen das Pferd -sein ,  beispielsweise  als Mittel  für eine schwere  Dressur.  Dieses wird als Zwangmittel leider allzu oft eingesetzt. Niemand bemerkt es so richtig, was dort vor sich geht. Ein Pferd muß dürsten und leiden, weil die Null-Lösung schwarze Schafe zu diesen bösen Methoden geradezu verführt.  Dieses unfaire Mittel steht  natürlich nicht auf der  Doping -Liste !

Jedoch ist der Mensch, der auf so eine Idee des Wasserentzugs kommt,  für mich ein Tierquäler.  Er sollte unbedingt  aus diesem Sport entfernt werde, weil sein Verhalten durch nichts zu entschuldigen ist..

Da wären wir genau wieder bei dem Problemthema, zu dem ich ein weiteres  weiteres Beispiel nenne: Der bekannte Wirkstoff Baldrian, der zur Beruhigung, der für  viele Menschen  ein natürliches  und grundsätzlich unschädliches Mittel zur eigenen Beruhigung in Stresssituationen ist, würde bestimmt nicht im Körper eines Pferdes zu Schädigungen führen, wenn man einem Pferd das Mittel eingeben würde.

Die Verabreichung dieses Mittels gilt aber als Doping. Wenn man  derartige grundsätzlich unschädliche, aber dem Wohl der Tiere dienende  Mittel unter bestimmten Randbedingungen zulassen würde - beispielsweise indem  der Reiter oder Pferdebesitzer über deren  Einsatz  offen zuständige Personen oder Gremien informiert -  so würden wir im Spitzensport zu besseren und neuen Regelements finden, statt  die harmlose, aber für das Pferd sehr hilfreiche medikamentöse  Unterstützung  zu verbieten und sogar die Verabreichung zu bestrafen.

Gerade solche verbesserten Reglements, die mit den Fachleuten abzusprechen sind , helfen dem Pferd, dass es  nicht  hilflos den schwarzen Schafen ausgesetzt ist, die mit ganz anderen Mitteln arbeiten.  Es bekäme  genügend Wasser zum Trinken  und würde etwas Leichtes zur Beruhigung bekommen.

Dies ist ein gutes  Beispiel, das man dem  Publikum einmal erklären sollte. Ein Pferd, das vielleicht innerlich etwas nervig, noch nicht so erfahren und zum ersten Mal  Tausende von Zuschauern vor einem  Park von Hindernissen sieht , sollte durchaus rechtzeitig vorher  etwas zur Beruhigung gegeben werden dürfen . Dies kann im Sinne des Tieres sein , wobei sich jeder Reiter und Tierarzt vor Augen halten muß, dass es Stressfreiheit auf einem Turnier fast nie gibt und das Pferd nicht freiwillig darüber entscheiden kann , ob es ein Medikament nimmt oder nicht, das ist für mich dieser Widerspruch, den wir im Moment sehr viel haben.

Ich nenne ein weiteres Beispiel, bei dem zu oft weggeschaut wird, anstatt die Verhaltensweisen der Reiter gegenüber ihrem Pferd scharf zu ahnden und für Wiederholungen bei den betreffenden Reitern und bei Nachahmern einen Riegel vorzuschieben.

Es ist durch kein rechtschaffenes  Argument zu erklären, wenn ein Reiter seinem Pferd mit einer scharfen Substanz an den Beinen Schmerzen zufügt oder sogar Gamaschen mit schmerzerzeugenden Innenseiten benutzt mit dem Ziel, dass das Pferd beim Springen schmerzempfindlicher wird und nach einem sehr  schmerzhaften Anstoßen an  die Hindernisstangen aus Angst vor stechenden Schmerzen die Beine noch höher anzieht . Genauso verabscheuungswürdig ist die Benutzung von  präparierten Gamaschen , deren mit Reitzen bestückte Innenseiten bei leichtestem Touchieren eines Hindernisses Qualen des Pferdes auslösen.  Dieses perfide  Verhalten von Reitern gegenüber ihren Pferden lässt sich nun wirklich nicht mehr mit Ausflüchten erklären, wie beispielsweise dass der betreffende Reiter ja gar nichts Böses wollte, sondern eher seinem Pferd die Gesundheit und das Leben erhalten wollte.

Das ist eine Manipulation, das ist Tierquälerei, die durch nichts mehr zu entschuldigen ist und daher stark verurteilt werden muß. Diese Verhaltensmuster sind in einem erschreckenden Umfang in den letzten Jahren mehr und mehr in Mode gekommen.Wer sich in diesem Sport auskennt  und dort zuschaut, sieht es, und die Leute, die es tun, wissen es, sie wissen auch, welche Reiter es tun. Daher nehme ich es vielen- leider auch Funktionären-  nicht ab, wenn sie  behaupten, sie hätten von allem nichts gewusst.

Es ist sogar so weit gekommen, dass diese bösen Taten von Reitern stillschweigend geduldet wurden, nicht zuletzt auch deshalb , weil diese Manipulationen schwer zu beweisen sind . Es liefe aus meiner Sicht übrigens auch darauf hinaus, dass manche Reiter aufgrund ihrer  nationalen Aufgabe „reitet für Deutschland“ wohl nicht verurteilt werden würden, selbst wenn Verbände und Funktionäre nicht die Augen schließen würden.

Unfaires offizielles Reglement  - der Fluch der versuchten guten Tat

Das ist wirklich kein faires Reglement, das heutzutage praktiziert wird und Unsicherheit, Zweifel und Nachahmer des Bösen erzeugt.

Statt diese Übel an der Wurzel zu packen und  aus der Reiterei auszurotten , fixierten sich bisher verantwortliche Funktionäre in den unterschiedlichen Organisationen und Institutionen  auf das Doping und verschlossen die Augen vor den anderen Arten der Tierquälerei.

Auch diese neuen Fixpunkte führten zu unfairen Reglements. So  wurden beispielsweise rechtschaffene  Leute, die ihrem Pferd während eines Amerikafluges oder zur Olympiade nach China in minimaler Form Beruhigungsmittel  gegeben haben,  - sie verhinderten ,  dass das Pferd   im Flugzeug Panik bekommen hätte, was  bei manchen Pferden sogar eine natürliche Reaktion auf das Fliegen ist  - als Tierquäler dargestellt, die ihrem Pferd Dopingmittel verabreicht haben.

Wenn man aber  das dem normalen Menschen und Zuschauer auf internationalen Turnieren mit den oft von weiten Entfernungen aus anderen Teilen der Welt angereisten Reitern und ihren Pferden   ehrlich und offen erklärt, was ohne die beruhigenden Medikamente alles während des Fluges passieren kann , nämlich dass ein Pferd  während des Fluges in Panik ausbricht , während und nach dem Flug völlig ausrastet und möglicherweise  erschossen  werden muß, dann kann der Zuschauer und Pferdekenner sich ein eigenes Bild davon machen, dass der Reiter oder Tierarzt  mit dem Beruhigungsmittel zum Wohle des Pferdes handelt.  Wenn demgegenüber  drüben nach dem Flug durch Reglements festgestellt wird , dass das Pferd ein Beruhigungsmedikament im Körper hat und wenn durch mangelnde Aufklärung der Zuschauer und der Bevölkerung sowie  durch starre Reglements mit der Null-Lösung -also dem  Prinzip „ keine Medikamente“ - der Reiter oder Besitzer des Pferdes gleichsam in der Luft zerrissen wird, dann sehe ich dies ebenfalls als ein nicht mehr hinnehmbares Extremverhalten der Verbände und ihrer Funktionäre an, die vermeintlich den Sport sauber halten, aber nur dem Anschein nach und nicht wirklich an die Gesundheit  der Pferde denken.

Vielleicht liegt ein Manko auch darin, dass es zwar viele engagierte Menschen im Pferdesport gibt -vor allem auch ehrenamtlich Tätige- ,dass es aber nicht  genügend  Fachleute in diesem Sport auf der Verbans-und Funktionärsebene gibt, die sich fachlich bis ins Detail auskennen. Dazu gehört, dass die Fachleute und Kenner der Szene  diejenigen  Leute, die Pferde wirklich quälen, eliminieren, rausschmeißen und  bestrafen. Dann müssen sie den anderen Reitern und der Bevölkerung die wirklichen  Gründe dafür erklären können, warum dieser Reiter eliminiert und bestraft werden, jene  Reiter aber nicht.

Tierärzte - zwei Seiten der Medaillen

Das Unschöne und Abschreckende an den von mir genannten Beispielen von Schwarz und Weiß ist, dass auf beiden Seiten der Medaillen die Köpfe von Tierärzten zu sehen sind . Auf der einen Seite der Medaille  befinden sich die Köpfe heilender Tierärzte und auf der anderen Seite die Köpfe von Tierärzten,  die im Auftrag  ihrer Geldgeber oder  Auftraggeber die schönsten   Geschichten über die angeblich notwendige Heilung und Harmlosigkeit der Mittel erzählen . Es ist daher auch verständlich, dass  die FEI oder Veranstalter sagen : „ wir bekommen   eine Geschichte nach der anderen aufgetischt, die unglaubhaft ist“.

Vorschläge und Empfehlungen für zukünftige Regelements

Ich habe vor der letzten Olympiade  ein Gespräch mit verantwortlichen Personen  gehabt, denen  ich  genau diese  unwissende Menschen   schockierende  Ergebnis bei der Olympiade vorhergesagt habe . Ich habe bei meiner  Prognose  nicht allein Kritik, sondern vor allem Vorschläge vorgetragen, wie den schleichenden Entwicklungen, die eines Tages zum Eklat führen , entgegengesteuert werden kann.  Ich war und bin auch heute  der Meinung, dass man die Möglichkeiten derartiger negativer Verhaltensmuster , die sich herumgesprochen haben und den Verantwortlichen nicht ganz unbekannt  sind,  von vornherein dringend zum Wohl der Pferde und zur Erhaltung des hohen  Ansehens der deutschen Reiterei ausschalten muß.

Für die Verbände und Funktionäre stellt sich heutzutage leider nur die Frage : Was sagt man der Öffentlichkeit, was sagt man ihr nicht.

Die Suche nach einer Antwort auf diese falsch gestellte Frage  ist aus meiner Sicht ebenso falsch. Suchen muß man nach einer Antwort auf die Frage :

„Wie schaffen wir im Pferdesport Reglements, die keine Null-Lösungen darstellen , die nicht lediglich ängstliche Reaktionen der Verantwortlichen der Verbände zur Sauberhaltung des Sportes sind, aber nicht die Ursache erkennen? Wie schaffen die Verbände unter Einbeziehung der Fachleute die erforderliche  Klarheit , damit niemand sich wegen angeblicher Unsicherheit oder Unklarheit herausreden kann?

Wie können die Regelements weniger  dem Selbstzweck von Verbänden und Funktionären dienen, sondern vornehmlich  dem Wohl der Pferde?

Hierauf sind Antworten zu finden.

Meine Frage und Antwort an alle Verantwortlichen ist:
Wie ehrlich gehen wir miteinander und mit unseren Pferden um?

Aus meiner Frage resultiert die  Antwort, die sich gleichsam aufdrängt:
Wir brauchen  einen Check  für Pferde im Spitzensport 

Der Check darf nicht lediglich kurz vor dem Start stattfinden. Ernsthafter ist es, wenn die Pferde im Leistungssport und insbesondere im internationalen Springsport mindestens einmal im Kalenderjahr komplett von einem Gremium von Tierärzten, die im internationalen Turniersport tätig sind, untersucht werden. Hierzu ist eine Verfahrensweise vom Weltverband und den nationalen Verbänden festzulegen, beispielsweise wie folgt:

Mindestens zwei  der Tierärzte dieses Gremiums müssen übereinstimmen, dass das Pferd gesund genug ist, um in dieser oder in der nächsten  Saison im Leistungssport eingesetzt zu werden, .Die Pferde  erhalten nach der Untersuchung die Zulassung für die nächste Saison -ähnlich einer TÜV-Plakette beim Auto.

Wenn es demgegenüber eine Entscheidung des Gremiums gibt, dass das  vorgestellte Pferd nicht mehr so gesund ist, um im Leistungssport oder in einer bestimmten Kathegorie dieses Sports eingesetzt zu werden -selbst wenn man zur Unterstützung der Gesundheit des Pferdes bestimmte vom Gremium erlaubte   positiv einwirkende Medikamente benutzen würde,  - dann wird aufgrund der Entscheidung des Gremiums  ein Stempel in den Pass des Pferdes gedrückt, der aussagt, dass dieses Pferd  in diesem Sport nicht mehr auftauchen darf.

Dies hielte ich für eine faire Lösung im Sinne unseres Partners „Pferd“!

Nicht der Verband oder Reiter, sondern das Pferd ist das Ziel neuer Reglements

Mir fehlt übrigens in allen Diskussionen dieser natürliche Gedanke :“ Wir alle kämpfen gemeinsam mit dem Pferd  für das Pferd“,

Ich fühle mich als zu denen gehörig, die mit einem reinen Gewissen sagen können:

 „meinen Pferden geht’s gut, weil ich meine Pferde  liebe !!“

(
Copyright: Zeit für Pferde)