Der Abreiteplatz des Hamburger Spring-Derbys!!

Am 12. Mai hat der Weltreiterverband FEI strengere Regeln für das Reiten auf dem Vorbereitungsplatz in Kraft gesetzt. Bei dem diesjährigen Spring-Derby in Hamburg hatten die Stewards nun Gelegenheit, diese Regeln in die Tat umzusetzen. Doch diese Bilder, die eine Zuschauerin auf dem Abreiteplatz des Hamburger Springderbys fotografiert und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat zeigt, dass einige Reiter sich nach wie vor nicht davon abhalten lassen, ihre Pferde eng und mit Hilfszügeln zu reiten.

 

Ein weiterer Reiter wurde ebenfalls von einer aufmerksamen Zuschauerin ertappt. Der Brite Ben Maher bereitete sein Pferd auf den Start vor, die Zuschauerin eine blutige Stelle an der linken Bauchseite des Pferdes bemerkte, genau dort, wo der Sporen eingesetzt wird. Sie informierte die Meldestelle, die sich telefonisch an den aufsichtführenden Steward Hans Wallmeier wandte. Maher wurde auf die Verletzung angesprochen. Nicht nur das Fell des schwarzbraunen Pferdes, auch der mit Rädchen versehene Sporen wies Blutspuren auf. Ein Tierarzt wurde gerufen, nach kurzer Beratung wurde der Reiter disqualifiziert, sein Startplatz gestrichen. „Ein blutendes Pferd gehört nicht in die Prüfung", entschied Wallmeier. Maher verschwand mitsamt Pferd Richtung
Stall, kam nach einigen Minuten zurück, alle Blutspuren an Fell und Sporen waren verschwunden. Doch das half ihm jetzt auch nicht mehr. Maher akzeptierte das Urteil schließlich, auch wenn er „nicht glücklich" darüber sei. Pferde vor rücksichts- oder vielleicht nur achtlosen Reitern zu schützen, ist zur Zeit ein Hauptanliegen der FEI. Um der Pferde wegen, die es zu schützen gelte, wie Präsidentin Prinzessin Haya nicht müde
wird zu beteuern. Die plötzliche Fürsorge zielt natürlich auch in Richtung Sponsoren und Zuschauer. „Die Leute akzeptieren rüde Methoden nicht mehr", sagt Chefsteward Hans Bockholt. „Das müssen die Reiter einfach lernen." Das FEI-Programm „Clean Sport" (Sauberer Sport) umfasst nicht nur vermehrte Dopingkontrollen und strengere Strafen, sondern stattet auch die Stewards auf internationalen Turnieren mit weitreichenden Kompetenzen aus. Sie können bei „aggressivem Reiten" einschreiten, gelbe Karten verteilen und in Abstimmung mit einem Tierarzt Pferde aus der Prüfung nehmen. In detaillierten Leitlinien ist nachzulesen, wann eingeschritten werden soll. Sogar die Kopfhaltung des Pferdes ist festgelegt. Es darf nicht länger als zehn Minuten in extremer Haltung geritten werden, der Reiter darf nicht länger als eine Stunde vor der Prüfung mit seinem Pferd üben und er darf nach einer verpatzten Prüfung nicht rüde nachexerzieren. Der Steward soll immer freundlich und diskret sein und „sich nicht von der Presse aufwiegeln lassen". Er soll unterscheiden, wann ein fähiger Reiter sein Pferd „korrigiert" oder ein schwacher Reiter sein Mütchen kühlt. Er soll berücksichtigen, dass Reiter vor einer Prüfung unter Stress stehen und Ermahnungen gegenüber vielleicht wenig aufgeschlossen sind.

Aber nichtsdestotrotz gab es auch Reiterinnen und Reiter, die auf dem Abreiteplatz des Hamburger Spring-Derbys ihre Pferde ohne jegliche Hilfszügel auf die Prüfung vorbereiteten. Es geht also auch anders!!

Dienstag, 01.06.10 12:00 Alter: 100 Tage