Feines Reiten im großen Sport – eine Unmöglichkeit?

Artgerechte, klassische Pferdeausbildung und feines, sensibles Reiten haben im Pferdesport keinen keine Chance. Diese These wird immer häufiger laut. Im großen Sport gilt „time is money“ und da muss man mal „so richtig zulangen“, dem „Bock“ klarmachen, wo es lang geht. Um auf die ersten Plätze zu gelangen, sind auch schon mal härtere Methoden notwendig. Da darf man nicht so zimperlich sein.

Klaus Balkenhol, (Rechte: Herrmann)Dass es auch anders geht, davon konnten sich am 3. und 4. Oktober 10 XENOPHON-Mitglieder und Interessierte in Münster Handorf überzeugen. Der Verein „Zur Erhaltung der klassischen Reitkultur“ hatte zu einem Fortbildungswochenende in die Westfälische Reit- und Fahrschule eingeladen. Gleich zu Beginn stellte Vorstandsmitglied Klaus Balkenhol die Intention „XENOPHONs“ und die Intention des Seminars heraus: „Wir sind nicht hier um zu meckern und zu kritisieren! Wir möchten zeigen, wie schön Reiten sein kann – für Reiter und Pferd.“

So stiegen Anabel Balkenhol und Mandy Zimmer in die Sättel von Four Ever, Heardbreaker und Dablino. Die drei Pferde und ihren Reiterinnen demonstrierten, wie altersgemäße, klassische Ausbildung aussieht. Der erst vierjährige Schimmelwallach Heardbreaker und auch der fünfjährige Four Ever präsentierten sich in der ungewohnten Umgebung locker, losgelassen und entspannt. Es gab keinen Zweifel: Sie vertrauen ihren Reiterinnen. Auf dem neunjährigen Dablinozeigte Anabel Balkenhol Lektionen auf Grand-Prix-Niveau. Der Fuchs zeigte sich Lektionen sicher und darüber hinaus losgelassen und entspannt. „Das war nicht immer so“, erzählte Besitzer Klaus Balkenhol. „Vor zwei Jahren konnten wir Dablino nicht einmal dazu bewegen, diese fremde Halle zu betreten.“ Dablino ist ein ausgesprochen schwieriges Pferd; seine Nerven spielten lange Zeit einfach nicht mit. Hier in Handorf war davon nichts mehr zu spüren. Alle Zuschauer konnten erahnen, wie viel Arbeit hier investiert wurde. Die Arbeit hat sich gelohnt: Dablino überzeugte nicht nur die Zuschauer in Handorf, auch die Richter waren beeindruckt. Zusammen mit seiner Reiterin Anabel Balkenhol errang er in diesem Jahr zahlreiche Siege und Platzierungen. Der Höhepunkt war sicherlich der Gewinn des Medien Cups in Münster. Diese Erfolge zeigen eindeutig, dass sich feines Reiten und Horsemanship auch im großen Sport bezahlt machen.

Martin Plewa, Rechte: Trakehner-Bayern„XENOPHON“ ist nicht nur ein Verein für Dressurreiter. Am Sonntag wurden Darbietungen aus den Bereichen Vielseitigkeit, Springen und Westernreiterei geboten. Eva Böckmann auf ihrem selbstgezogen und –ausgebildeten Pferd Dior zeigten auf dem Vielseitigkeitsplatz unter der Anleitung von Martin Plewa Vielseitigkeitsreiten par excellance. Ihr Vermögen haben Eva Böckmann und Dior in diesem Jahr auch auf vielen Turnieren unter Beweis gestellt. Als sechsjährige wurde Dior 2008 Championesse der Geländepferde in Westfalen; 2009 gewann das Paar mehrfach L-Vielseitigkeitsprüfungen, sowie ein CIC*. Dior und Eva Böckmann gewannen den ländlichen Vielseitigkeitswettkampf in Sachsen; in ihrem Dressurprotokoll findet sich hier 7 mal die 9. Ihre Ritte sind ein Beweis dafür, dass letztendlich eine klassische Ausbildung des Pferdes und gutes Reiten zum Erfolg führen; zu Erfolgen an denen sich nicht nur der Reiter, sondern auch das Pferd und das Publikum freuen können.

Der Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule Martin Plewa stellte seine Trainerqualitäten an diesem Tag gleich zweimal unter Beweis. Zusammen mit Martin Fink und seinem Pferd Kurt demonstrierten sie gutes Reiten im Springparcours. Hier zeigte sich, was wirklich gute Reiter auszeichnet: Probleme werden nicht kaschiert oder geleugnet, sondern es wird konstruktiv nach Lösungen gesucht. So bekam Martin Fink für Kurts Anlehnungsproblem nicht nur wertvolle Hinweise von Martin Plewa, sondern darüber hinaus auch eine Einladung von Klaus Balkenhol. Reitweisende übergreifende Versuche, ein Problem zu lösen: Dieses Beispiel sollte Schule machen!

Sandra Dietrichsen, ihr Pferd Spirit of power und Ausbilder Peter Kreinberg entführten die Teilnehmer in eine für viele bisher unbekannte Welt, in die Welt der Westernreiterei. Die Darbietung war derart harmonisch und gut geritten und wurde von Peter Kreinberg zudem kompetent kommentiert, dass nicht nur ein Teilnehmer seine Vorurteile über Westernreiter revidieren musste.

 

Dr. Gerd Heuschmann, (Rechte: Herrmann)„XENOPHON“ ist kein Verein für Kritiksüchtige, aber: „Bei harschem, disziplinlosem Umgang mit dem Pferd; bei Respektlosigkeit gegenüber der Kreatur ist unsere Zivilcourage gefragt!“ betonte Klaus Balkenhol. Für die nötige Motivation, Missstände anzuprangern sorgte der Vortrag von Dr. Gerd Heuschmann. Auf seine gewohnt kompetente und unterhaltsame Art sorgte der Tierarzt für das nötige Fachwissen, Missstände zu erkennen und für Argumente, warum es zur klassischen Reitkunst keine Alternative gibt.

von Petra Herrmann

www.xenophon-classical-riding.de

Freitag, 09.10.09 20:20 Alter: 2 Jahre